Abaya Kimono
Abaya Kimono – Ratgeber & Wissenswertes
Ein Abaya Kimono ist eine vorne offene, bodenlange oder wadenlange Abaya, deren Schnitt sich am Kimono orientiert: gerade Vorderteile ohne Knopfleiste, weite, oft angeschnittene Ärmel und ein lockerer Fall über einem Innenkleid. Anders als die klassische geschlossene Abaya der arabischen Halbinsel wird sie wie ein Mantel über einem Kleid, einer Tunika mit Hose oder einem Unterkleid getragen und wahlweise mit einem Gürtel in der Taille gerafft. Der folgende Text erklärt, was die Kimono-Abaya von der klassischen Abaya, vom Kaftan und vom Bisht unterscheidet, wie der offene Schnitt aufgebaut ist, welche Längen üblich sind und wie sie in Zentimetern gemessen werden, welche Eigenschaften die typischen Stoffe Nida, Crêpe und Chiffon haben, wie sich die offene Abaya mit einem Hijab kombinieren lässt und was beim Waschen und Aufbewahren zu beachten ist. Ein Abschnitt zum kulturellen Hintergrund, häufige Fragen und ein Glossar mit arabischen und japanischen Begriffen schließen den Überblick ab.
Abaya Kimono: Definition und Merkmale
Die Abaya ist ein weites, langes Übergewand, das in den Ländern der arabischen Halbinsel und am Persischen Golf traditionell über der Alltagskleidung getragen wird. Sie bedeckt den Körper von den Schultern bis zu den Knöcheln und lässt Gesicht, Hände und Füße frei. Die klassische Form ist vorne geschlossen und wird über den Kopf gezogen oder mit einer verdeckten Druckknopf- oder Reißverschlussleiste geschlossen. Die Kimono-Abaya ist eine jüngere Variante, bei der die Vorderteile offen bleiben. Sie übernimmt aus dem japanischen Kimono die gerade Schnittführung, die breiten Ärmel und den geraden Saum, verzichtet aber auf Obi, Überlappung und den charakteristischen Kragen. Weil sie offen getragen wird, ist ein Innenkleid oder eine Kombination aus Oberteil und weiter Hose darunter erforderlich. Typische Merkmale sind eine Länge bis zum Knöchel, Ärmel bis zum Handgelenk, ein leichter, fließender Stoff und häufig ein Bindegürtel oder ein separater Gürtel aus demselben Material.
Kimono Abaya oder Abaya Kimono? Begriffe und Schreibweisen
Beide Reihenfolgen bezeichnen dasselbe Kleidungsstück. Die Form Kimono Abaya stellt das Grundwort Abaya nach hinten und betont, dass es sich um eine Abaya mit Kimonoschnitt handelt; die umgekehrte Form betont den Kimonocharakter. Korrekt zusammengesetzt lautet das deutsche Wort Kimono-Abaya, im Plural Kimono-Abayas oder Kimonos Abaya, wie es in Verkaufsbezeichnungen häufig zu lesen ist. Im arabischen Sprachraum wird die offene Abaya meist als „Abaya mit offener Front" oder mit dem englischen Begriff „open abaya" bezeichnet; im Handel begegnet zudem die Bezeichnung Farasha-Abaya für Modelle mit besonders weiten, schmetterlingsartigen Ärmeln. Das Wort Abaya selbst stammt aus dem Arabischen und bezeichnet ursprünglich einen weiten Überwurf oder Mantel, unabhängig vom Geschlecht der tragenden Person. Im heutigen Sprachgebrauch meint Abaya fast immer das Kleidungsstück für Frauen, während der entsprechende Männermantel Bisht heißt.
Abaya Kimono, klassische Abaya, Kaftan und Bisht im Vergleich
Die vier Kleidungsstücke werden häufig verwechselt, weil sie alle lang, weit und aus dem arabischen beziehungsweise nordafrikanischen Raum bekannt sind. Die folgende Tabelle stellt die Unterschiede gegenüber.
| Kleidungsstück | Front | Träger | Anlass | Typischer Stoff | Typische Farben |
|---|---|---|---|---|---|
| Klassische Abaya | geschlossen, über den Kopf oder mit verdeckter Leiste | Frauen | Alltag, Gebet, Feste | Nida, Crêpe, Krepp-Chiffon | Schwarz, dunkle Töne |
| Kimono-Abaya | offen, ohne Verschluss, optional Gürtel | Frauen | Alltag, Feste, Reise, Mode | Nida, Crêpe, Chiffon, Leinen | alle Farben, oft Erdtöne und Pastell |
| Kaftan | geschlossen oder mit Knopfleiste, oft mit Gürtel | Frauen und Männer, regional unterschiedlich | Hochzeiten, Feste, zu Hause | Brokat, Samt, Seide, Baumwolle | kräftige Farben, Gold, Stickerei |
| Bisht | offen, ohne Verschluss | Männer | Zeremonien, Hochzeiten, Empfänge | Wolle, Kamelhaar, Baumwollmischungen | Schwarz, Braun, Beige, Creme mit Goldborte |
Der Kaftan unterscheidet sich von der Kimono-Abaya vor allem durch seine geschlossene Front und den Charakter eines eigenständigen Kleides: Er wird ohne Innenkleid getragen. Der Bisht ist zwar wie die Kimono-Abaya vorne offen, aber deutlich schwerer, aus Wolle oder Kamelhaar gewebt, mit einer goldenen oder silbernen Borte (Zari) am Halsausschnitt und traditionell den Männern vorbehalten. Formal am nächsten steht der Kimono-Abaya der Bisht; funktional ist die Kimono-Abaya jedoch ein Alltags- und Modestück und nicht auf Zeremonien beschränkt.
Herkunft des Kimono Abaya: von der Golfregion zur modernen Mode
Die Abaya als schwarzer, geschlossener Überwurf ist historisch vor allem in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait, Bahrain, Oman und im Irak verbreitet. Über Jahrzehnte war sie ein weitgehend uniformes Kleidungsstück ohne modische Variation. Ab den 2000er Jahren begannen Designerinnen in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Dschidda, die Abaya zu variieren: mit Stickereien, Kontrastborten, farbigen Einsätzen und schließlich mit offener Front. Die offene Abaya erlaubte es, das darunter getragene Kleid zu zeigen, und war zugleich einfacher an- und auszuziehen als die Überkopfvariante. Die Bezeichnung als Kimono setzte sich durch, weil der gerade Schnitt mit weiten Ärmeln an die japanische Vorlage erinnert. In Europa wurde die Kimono-Abaya im Zuge der sogenannten Modest Fashion bekannt, einer Bewegung, die bedeckende, weit geschnittene Kleidung unabhängig von religiösen Vorgaben als Stil versteht. Heute wird sie von muslimischen Frauen als Teil der Alltagskleidung ebenso getragen wie von Nichtmuslimen als langer, leichter Sommermantel.
Offener Schnitt des Abaya Kimono: Aufbau und Konstruktion
Der Grundschnitt besteht aus einem Rückenteil, zwei Vorderteilen und zwei Ärmeln. Die Vorderteile sind entweder gerade geschnitten und stoßen in der Mitte aneinander oder fallen mit leichter Überlappung. Viele Modelle haben keinerlei Schulternaht: Vorderteil, Schulter und Ärmel sind aus einer durchgehenden Stoffbahn gearbeitet, wodurch der Stoff über der Schulter weich fällt. Bei angesetzten Ärmeln liegt die Ärmelnaht meist deutlich unterhalb des Schulterpunkts. Der Halsausschnitt ist rund oder leicht V-förmig und mit Schrägband, einer schmalen Blende oder einem Rollsaum versäubert. Seitennähte laufen gerade oder leicht ausgestellt nach unten; A-Linien-Modelle geben mehr Schrittfreiheit. Taschen sind selten und dann als Nahttaschen in den Seitennähten eingearbeitet, damit die Silhouette glatt bleibt.
Ärmelformen beim Kimono Abaya
Am häufigsten ist der weite, gerade Kimonoärmel, der zum Handgelenk hin gleich breit bleibt und einen Umfang von 40 bis 60 cm haben kann. Die Farasha-Variante ist am Oberarm extrem weit und läuft zum Handgelenk schmal zu, sodass der Stoff beim Heben der Arme wie ein Flügel fällt. Bündchenärmel enden in einem schmalen Elastik- oder Knopfbündchen und sind für Arbeit, Küche und Alltag praktischer. Glockenärmel weiten sich nur im unteren Drittel. Bei formellen Modellen sind Ärmelsäume mit Stickerei, Perlen oder Kontrastborten verziert.
Kimono-Abaya: Verschluss, Gürtel und Innenkleid
Ein Verschluss fehlt bei der reinen Kimono-Abaya. Manche Modelle haben einen Innenhaken oder einen einzelnen Druckknopf auf Brusthöhe, der ein Aufklaffen verhindert. Der Gürtel ist entweder angenäht (zwei Bänder in der Seitennaht), lose beigelegt oder wird durch Gürtelschlaufen geführt. Das Innenkleid, im Handel oft als Slip Dress oder Unterkleid bezeichnet, ist ein schmales, ärmelloses oder langärmliges Kleid aus Jersey, Viskose oder demselben Stoff wie die Abaya; es sollte etwa 2 bis 5 cm kürzer als die Abaya sein, damit es am Saum nicht hervorschaut.
Längen und Größentabelle für Kimonos Abaya in cm
Abayas werden im arabischen Handel traditionell nach Länge in Zoll angeboten (52, 54, 56, 58, 60 Zoll), in Deutschland meist nach Konfektionsgröße oder nach Länge in Zentimetern. Die Länge wird von der höchsten Schulterstelle bis zum Saum gemessen. Als Faustregel gilt: Körpergröße in cm minus 15 bis 20 cm ergibt eine knöchellange Abaya bei flachen Schuhen; bei Absätzen kommen die Absatzhöhe hinzu.
| Körpergröße | Empfohlene Länge Abaya | Entspricht etwa (Zoll) | Ärmellänge ab Halsmitte | Brustweite flach (Gr. 36–40) | Brustweite flach (Gr. 42–48) |
|---|---|---|---|---|---|
| 150–158 cm | 130–138 cm | 52 | 70–74 cm | 55–60 cm | 62–70 cm |
| 158–165 cm | 138–145 cm | 54–56 | 73–77 cm | 56–62 cm | 64–72 cm |
| 165–172 cm | 145–152 cm | 56–58 | 76–80 cm | 57–63 cm | 65–74 cm |
| 172–180 cm | 152–160 cm | 60 | 79–84 cm | 58–64 cm | 66–76 cm |
| über 180 cm | 160–168 cm | 62–64 | 83–88 cm | 59–65 cm | 68–78 cm |
Wadenlange Kimono-Abayas mit 110 bis 125 cm Länge werden über Hosen getragen und sind im europäischen Alltag verbreiteter als in der Golfregion. Für Modelle aller Stoffe in Maxi-Länge, auch ohne Bezug zur Abaya, ist der Bereich Kimono Damen Lang die passende Vergleichsgröße.
Stoffe für den Abaya Kimono: Nida, Crêpe, Chiffon und mehr
Der Stoff bestimmt Fall, Blickdichte, Wärme und Pflegeaufwand. In der Golfregion dominieren glatte, matte Polyesterstoffe, weil sie bei Hitze leicht sind, nicht knittern und blickdicht bleiben. In Europa kommen Viskose, Leinen und Baumwollmischungen hinzu.
| Stoff | Faser | Griff und Fall | Blickdichte | Knitterneigung | Jahreszeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Nida | Polyester, sehr fein gewebt | glatt, matt, schwer fließend | hoch | sehr gering | ganzjährig, besonders Sommer |
| Crêpe (Krepp) | Polyester oder Viskose, gekräuselt | leicht körnig, fließend | hoch | gering | ganzjährig |
| Chiffon | Polyester oder Seide | hauchdünn, luftig | gering, meist gefüttert | gering | Sommer, Feste |
| Jersey | Viskose oder Baumwolle mit Elasthan | weich, dehnbar | mittel bis hoch | gering | Übergang, Reise |
| Leinen und Leinenmischungen | Leinen, Leinen-Viskose | trocken, leicht steif | mittel | hoch | Sommer |
| Satin | Polyester oder Seide | glänzend, glatt | hoch | mittel | Feste, Abend |
Nida-Stoff beim Kimono Abaya
Nida ist ein sehr fein gewebter, matter Polyesterstoff mit weichem Griff und deutlichem Gewicht, der ursprünglich aus Südkorea und Japan bezogen wurde und deshalb als koreanischer oder japanischer Nida gehandelt wird. Er ist der Standardstoff der klassischen schwarzen Abaya und wird für die Kimono-Abaya wegen seines schweren, glatten Falls geschätzt: Der Stoff hängt gerade, flattert kaum im Wind und wirft keine Falten. Nida ist blickdicht, auch in hellen Farben, trocknet schnell, muss kaum gebügelt werden und ist unempfindlich gegen Schweiß und Deodorant. Nachteilig sind die geringe Atmungsaktivität bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit und die Neigung, sich statisch aufzuladen. Ein Modell aus Nida wiegt je nach Länge und Ärmelweite etwa 400 bis 700 g.
Chiffon und Crêpe: leichte Kimono-Abayas
Crêpe hat durch stark gedrehte Garne eine leicht körnige Oberfläche und fällt fließender als Nida, ist aber ebenfalls blickdicht und knitterarm. Chiffon ist dagegen fast durchsichtig und wird als Abaya entweder über einem blickdichten Innenkleid oder als zweilagige Konstruktion getragen, bei der eine Chiffonschicht über einer Lage Nida oder Crêpe liegt. Zweilagige Modelle sind für Feste und Abende üblich, weil die äußere Lage Stickereien oder Drucke tragen kann, ohne dass die Blickdichte leidet.
Kimono Hijab: die offene Abaya mit Kopftuch kombinieren
Die Suchanfrage Kimono Hijab zielt meist auf die Frage, wie ein Kopftuch zur offenen Abaya getragen wird und welche Tuchformen dazu passen. Die Kombination folgt in der Praxis einigen Regeln, die sich aus Stoff, Farbe und Anlass ergeben.
Kimono Hijab: passende Tuchformen und Stoffe
Zur Kimono-Abaya wird in der Golfregion meist die Shayla getragen, ein langes rechteckiges Tuch von etwa 70 mal 180 bis 200 cm, das um den Kopf gewickelt und über die Schulter gelegt wird. In Europa sind neben der Shayla auch quadratische Tücher (etwa 110 bis 120 cm Kantenlänge), der zweiteilige Al-Amira-Hijab mit Unterhaube und der Khimar verbreitet, ein umhangartiges Tuch, das Kopf, Schultern und Oberkörper bedeckt. Als Stoffe eignen sich Chiffon und Krepp-Chiffon für leichte Sommerabayas, Jersey und Modal für Alltag und Reise, Viskose für Übergangswetter und Satin für Feste. Ein Untertuch (Bone oder Unterhaube) aus Baumwolle oder Bambusviskose hält das Kopftuch an Ort und Stelle und schützt es vor Haaröl und Schweiß.
Kimono Hijab: Farben und Proportionen abstimmen
Bei einer einfarbigen Abaya kann das Kopftuch in derselben Farbe (Ton in Ton), in einer Farbe des Innenkleids oder als bewusster Kontrast gewählt werden. Bei gemusterten oder bestickten Abayas ist ein einfarbiges Tuch üblich, das eine der Musterfarben aufnimmt. Die Länge des Tuchs beeinflusst die Proportion: Ein lang über die Schulter fallendes Tuch verlängert die Linie des offenen Kimonos, ein kurz gebundenes Tuch betont den Halsausschnitt und lässt Stickereien am Kragen sichtbar. Drapierungen mit vielen Lagen wirken bei leichten Chiffonabayas ausgewogener als bei schweren Nida-Modellen.
Farben und Muster bei Kimonos Abaya
Schwarz bleibt in der Golfregion die vorherrschende Farbe, auch bei offenen Modellen. Eine schwarze Kimono-Abaya ist dort Alltagskleidung und wird durch farbige Innenkleider, Borten oder Stickereien variiert; die Farbpflege des Schwarz gleicht der anderer schwarzer Kimonos, wie sie unter Kimono Schwarz beschrieben ist. In Nordafrika, der Levante, der Türkei und in Europa sind gedeckte Erdtöne (Beige, Camel, Oliv, Taupe), Grau, Nachtblau und Bordeaux ebenso verbreitet wie Pastellfarben für den Sommer. Muster sind eher zurückhaltend: Ton-in-Ton-Stickereien am Ärmelsaum und entlang der vorderen Kante, geometrische Borten, florale Stickereien auf Chiffon und bei festlichen Modellen Perlen- oder Paillettenbesatz. Großflächige Drucke sind selten und finden sich eher bei Modellen, die eher als Sommermantel denn als religiöse Kleidung gedacht sind.
Abaya Kimono nach Anlass: Alltag, Gebet, Eid, Hochzeit
Im Alltag werden Modelle aus Nida, Crêpe oder Jersey in gedeckten Farben getragen, mit Bündchen- oder geradem Ärmel und knöchellang oder wadenlang über Hose. Für das Gebet in der Moschee ist eine blickdichte, nicht anliegende Abaya mit langen Ärmeln üblich; die offene Front wird dann geschlossen gehalten, etwa durch einen Druckknopf oder den Gürtel, und das Innenkleid ist ebenfalls lang und blickdicht. Zu Eid al-Fitr und Eid al-Adha sowie während des Ramadans werden festlichere Varianten getragen: bestickte Kanten, Chiffon über Satin, hellere Farben. Für Hochzeiten, Verlobungen und Henna-Abende kommen Modelle aus Satin, Seide oder zweilagigem Chiffon mit Perlen- und Paillettenstickerei infrage, häufig in Champagner, Altrosa, Smaragd oder Bordeaux. Für den Beruf hat sich die Kimono-Abaya aus Crêpe in Schwarz, Marine oder Anthrazit etabliert, die formal einem langen offenen Mantel entspricht.
Kimono Abaya im Sommer und im Winter
Im Sommer sind leichte Nida- und Crêpe-Qualitäten sowie Leinen und Chiffon über einem dünnen Innenkleid üblich. Helle Farben reflektieren Sonnenlicht, die weiten Ärmel lassen Luft zirkulieren, und die Länge schützt die Beine vor direkter Sonne. Im Herbst und Winter funktioniert die Kimono-Abaya in Europa als Zwischenschicht: über Rollkragenpullover und Hose, unter einem langen Mantel. Für die kalte Jahreszeit gibt es Modelle aus Wollmischungen, schwerem Crêpe oder gefüttertem Nida, die eher einem Kimono Mantel Damen ähneln und mit Innenfutter, Taschen und zum Teil mit Knopfleiste ausgestattet sind. Regen verträgt Nida gut, Leinen und Viskose weniger.
Kimonos Abaya in Deutschland: Alltag und Modest Fashion
In Deutschland wird die offene Abaya vor allem von muslimischen Frauen mit familiären Wurzeln in arabischen Ländern, in der Türkei, in Nordafrika und in Südasien getragen, zunehmend aber auch von Frauen ohne religiösen Bezug als langer Sommermantel. Der Begriff Modest Fashion, der sich seit den 2010er Jahren über Modewochen in Dubai, Istanbul und London etabliert hat, fasst diese Kleidungsweise zusammen: weite Schnitte, lange Ärmel, bedeckende Längen, ohne dass damit eine bestimmte Religionszugehörigkeit verbunden sein muss. Kimono-Abayas sind in deutschen Innenstädten, an Universitäten und im Büro ein normaler Anblick geworden. Für die Wahrnehmung ist hilfreich zu wissen, dass die Abaya kein Gesichtsschleier ist: Sie bedeckt den Körper, nicht das Gesicht, und wird mit oder ohne Kopftuch getragen.
Kultureller Kontext der Kimono-Abaya: Golfregion, Levante, Nordafrika
Die Abaya ist in erster Linie eine regionale Tracht der arabischen Halbinsel, keine universell islamische Kleidung. In Marokko, Algerien und Tunesien sind stattdessen Djellaba und Kaftan üblich, in der Türkei der lange Mantel (Pardesü) oder Ferace, in Iran der Tschador, in Südasien Shalwar Kameez mit Dupatta. Dass die Abaya heute weltweit getragen wird, hängt mit der wirtschaftlichen und kulturellen Ausstrahlung der Golfstaaten seit den 1990er Jahren zusammen, mit Arbeitsmigration in die Golfregion und mit dem Onlinehandel. Innerhalb der Golfstaaten selbst hat sich die Abaya von einem uniformen schwarzen Überwurf zu einem Modeartikel mit Designerlabels, Saisonkollektionen und regionalen Stilen entwickelt: In den Emiraten sind offene, mit Gürtel getragene Modelle verbreitet, in Saudi-Arabien wurde die Farbwahl ab 2018 liberaler, in Oman dominieren schlichte Schnitte mit Stickerei am Ärmel. Wer eine Kimono-Abaya trägt, ohne Muslimin zu sein, trägt damit ein Kleidungsstück, das in seiner Herkunftsregion selbst als Modeartikel gilt; als respektvoll gilt, religiös konnotierte Details wie Koranverse oder Kalligrafie-Stickereien nicht dekorativ zu verwenden.
Abaya Kimono und japanischer Kimono: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die Namensgebung suggeriert eine engere Verwandtschaft, als tatsächlich besteht. Gemeinsam sind beiden der gerade, aus rechteckigen Stoffbahnen zusammengesetzte Schnitt, die weiten Ärmel und der Verzicht auf Abnäher und Taillierung. Der japanische Kimono wird jedoch stets links über rechts überlappend geschlossen, mit Koshihimo-Bändern fixiert und mit einem Obi gegürtet; seine Länge wird durch einen Umschlag an der Hüfte (Ohashori) an die Körpergröße angepasst. Seine Ärmel sind unten geschlossene Säcke (Tamoto), seine Stoffbahn ist nur etwa 36 bis 40 cm breit. Die Kimono-Abaya wird offen getragen, ist auf Körperlänge geschnitten, hat offene Ärmelröhren und wird aus breiten Stoffbahnen gefertigt. Auch die Trageanlässe unterscheiden sich: Der japanische Kimono ist heute weitgehend Festtags- und Zeremonialkleidung, die Kimono-Abaya ist Alltagskleidung. Die traditionellen japanischen Formen sind unter Japanischer Kimono beschrieben.
Kimono Abaya richtig tragen: Schritt für Schritt
- Innenkleid oder Kombination aus Oberteil und Hose anziehen. Das Innenkleid sollte 2 bis 5 cm kürzer als die Abaya sein; Träger und Ausschnitt sollten vom offenen Vorderteil verdeckt werden.
- Die Abaya wie einen Mantel überziehen und die Schulternaht oder den Schulterbruch mittig auf die Schulter setzen. Bei Modellen ohne Schulternaht die Ärmelmitte als Referenz nehmen.
- Die vorderen Kanten parallel nach unten fallen lassen. Sollen sie geschlossen bleiben, den Innenhaken oder Druckknopf schließen oder die Kanten leicht überlappen lassen.
- Bei Bedarf den Gürtel anlegen: entweder in der natürlichen Taille oder etwas darunter. Ein Knoten an der Seite hält bei weichem Nida besser als eine Schleife vorne; bei Satinbändern eignet sich eine Doppelschleife.
- Die Ärmel richten: Bei Farasha-Ärmeln den Stoff über dem Handgelenk einmal leicht umschlagen, wenn er beim Essen oder Arbeiten stört.
- Kopftuch anlegen, sofern gewünscht, und die Tuchenden über die Schulter oder in den Halsausschnitt legen, damit der Kragenabschluss der Abaya sichtbar bleibt.
- Schuhe wählen: Die Abaya sollte den Boden nicht berühren; bei flachen Schuhen entspricht das einer Saumhöhe von 1 bis 3 cm über dem Boden.
Ein separater Gürtel aus Stoff, Leder oder geflochtenem Material kann die Taille betonen und verändert die Silhouette deutlich; Modelle und Bindetechniken sind unter Kimono Gürtel zusammengestellt.
Passende Größe bei Kimonos Abaya wählen
Weil der Schnitt weit ist, orientiert sich die Größenwahl weniger am Brustumfang als an Länge, Schulterbreite und Ärmellänge. Folgende Punkte sind zu prüfen:
- Länge: von der höchsten Schulterstelle bis 1 bis 3 cm über dem Boden messen, mit den Schuhen, die üblicherweise dazu getragen werden.
- Ärmellänge: bei angeschnittenen Ärmeln von der hinteren Halsmitte über die Schulter bis zum Handgelenk messen (meist 72 bis 85 cm).
- Brustweite: flach gemessen sollte die Abaya mindestens den halben Brustumfang plus 8 bis 10 cm betragen, damit sie auch über einem Pullover fällt.
- Hüftweite: bei geraden Modellen ohne Ausstellung ist die Hüfte die engste Stelle; zu schmale Modelle klaffen beim Gehen vorne auf.
- Innenkleid: in derselben Größe oder eine Größe kleiner, aber in passender Länge.
- Kürzen: Nida und Crêpe lassen sich mit einem Blindstich oder einem schmalen Doppelsaum um bis zu 10 cm kürzen; Chiffon erfordert einen Rollsaum.
Abaya Kimono pflegen: Waschen, Bügeln, Aufbewahren
Nida und Polyestercrêpe gehören zu den pflegeleichtesten Stoffen überhaupt; Chiffon, Satin, Seide und bestickte Modelle erfordern mehr Aufmerksamkeit.
- Waschen: Nida und Crêpe im Feinwaschgang bei 30 °C, auf links, mit Colorwaschmittel; schwarze Modelle getrennt von hellen. Chiffon und Satin in einem Wäschenetz im Handwaschprogramm oder von Hand. Bestickte und mit Perlen besetzte Modelle nur von Hand oder in der Reinigung.
- Schleudern: maximal 600 bis 800 Umdrehungen bei Nida, nicht schleudern bei Chiffon und Satin.
- Trocknen: auf einem breiten Bügel tropfnass aufhängen; Nida hängt sich dabei glatt. Kein Trockner: Polyester nimmt bei Hitze dauerhafte Knitter an, Elasthan in Jerseymodellen wird spröde.
- Bügeln: Nida und Crêpe bei niedriger Temperatur (Stufe 1, Synthetik) durch ein Bügeltuch oder mit dem Dampfglätter. Stickereien von links bügeln. Satin nur von links.
- Flecken: Deodorantränder auf Schwarz mit Gallseife vorbehandeln; Sonnencreme und Make-up am Kragen sofort mit lauwarmem Wasser ausspülen, weil Polyester Fett bindet.
- Aufbewahren: hängend auf breitem Bügel, bei Chiffon mit Seidenpapier im Ärmel gegen Knicke, lichtgeschützt, weil Schwarz unter UV-Licht braun oder grünlich ausbleicht.
- Reise: Nida kann gerollt statt gefaltet werden und ist danach ohne Bügeln tragbar, was den Stoff zur bevorzugten Wahl für Pilgerreisen (Umra, Haddsch) macht.
Nähen und Ändern einer Kimono-Abaya
Der Schnitt ist einfach genug, um ihn selbst zu nähen: zwei Vorderteile, ein Rückenteil, gegebenenfalls zwei Ärmel und ein Gürtel. Für eine bodenlange Abaya werden je nach Körpergröße und Stoffbreite (Nida ist meist 150 cm breit) etwa 3 bis 3,5 m Stoff benötigt, bei Farasha-Ärmeln bis 4 m. Nida verlangt eine feine Nadel (Stärke 70), eine kürzere Stichlänge (2 bis 2,5 mm) und einen leicht reduzierten Nähfußdruck, weil der glatte Stoff sonst verrutscht; Stecknadeln hinterlassen keine Löcher, Klammern sind dennoch schonender. Kanten werden mit einem schmalen Doppelsaum, einem Rollsaum oder einer Blende versäubert. Wer eine bestehende Abaya ändern will, kürzt am Saum, nicht an der Schulter, damit die Ärmelposition erhalten bleibt; Stickereien am Saum müssen dabei abgetrennt und neu aufgesetzt werden.
Häufige Fragen zu Abaya Kimono
Was ist der Unterschied zwischen Kimono Abaya und klassischer Abaya?
Die klassische Abaya ist vorne geschlossen und wird über den Kopf gezogen oder mit einer verdeckten Leiste geschlossen; sie ist ein eigenständiges Kleidungsstück. Die Kimono-Abaya ist vorne offen, hat weite Ärmel im Kimonoschnitt und wird wie ein Mantel über einem Innenkleid oder über Oberteil und Hose getragen, oft mit Gürtel.
Wie lang sollte eine Kimono Abaya sein?
Üblich ist Knöchellänge, das heißt der Saum endet 1 bis 3 cm über dem Boden, gemessen mit den Schuhen, die dazu getragen werden. Bei einer Körpergröße von 165 cm entspricht das etwa 145 bis 150 cm Gesamtlänge. Wadenlange Modelle mit 110 bis 125 cm werden über Hosen getragen.
Kann man Kimonos Abaya in der Waschmaschine waschen?
Modelle aus Nida, Crêpe und Jersey ja: Feinwaschgang bei 30 °C, auf links, geringe Schleuderdrehzahl, tropfnass auf einen breiten Bügel hängen. Chiffon, Satin, Seide und bestickte oder mit Perlen besetzte Modelle sollten von Hand gewaschen oder gereinigt werden, weil Stickfäden und Perlen in der Trommel Schaden nehmen.
Kimono Hijab: Welches Kopftuch passt zur offenen Abaya?
Am häufigsten ist die Shayla, ein langes rechteckiges Tuch, das um den Kopf gewickelt und über die Schulter gelegt wird. Zu leichten Sommerabayas passen Chiffon- und Krepp-Chiffon-Tücher, zu Alltag und Reise Jersey oder Modal, zu festlichen Modellen Satin. Farblich wird das Tuch Ton in Ton oder passend zum Innenkleid gewählt.
Darf man eine Kimono Abaya ohne Kopftuch tragen?
Ja. Die Abaya ist ein Übergewand für den Körper und unabhängig vom Kopftuch. In der Golfregion wird sie überwiegend mit Shayla getragen, in Europa auch ohne. Frauen ohne religiösen Bezug tragen die offene Abaya als langen Sommermantel oder als Strandüberwurf, ohne dass dies als unangemessen gilt.
Sind Kimonos Abaya auch für Nichtmuslime angemessen?
In der Regel ja. Die Abaya ist eine regionale Kleidungsform, die in ihrer Herkunftsregion selbst als Modeartikel behandelt wird. Als respektvoll gilt, auf religiöse Symbole wie Kalligrafie oder Koranverse als Dekor zu verzichten und das Kleidungsstück nicht als Kostüm oder Verkleidung zu verwenden. In Moscheen und bei religiösen Anlässen gelten die dortigen Kleidungsregeln.
Glossar zum Abaya Kimono
- Abaya: weites, langes Übergewand für Frauen, verbreitet auf der arabischen Halbinsel und darüber hinaus; arabisch für Überwurf oder Mantel.
- Bisht: offener Männermantel aus Wolle oder Kamelhaar mit Goldborte, für Zeremonien und Empfänge.
- Kaftan: langes, meist geschlossenes Gewand mit Ärmeln, in Nordafrika, der Türkei und Persien verbreitet; als Festkleid oft aus Brokat oder Samt.
- Farasha: arabisch für Schmetterling; Abaya mit extrem weiten, zum Handgelenk schmal zulaufenden Ärmeln.
- Nida: feiner, matter, schwer fließender Polyesterstoff, Standardmaterial für Abayas; nach Herkunft als koreanischer oder japanischer Nida gehandelt.
- Shayla: langes rechteckiges Kopftuch, in der Golfregion üblich.
- Khimar: umhangartiges Kopftuch, das Kopf, Schultern und Oberkörper bedeckt.
- Al-Amira: zweiteiliger Hijab aus Unterhaube und Schlauchtuch.
- Jilbab: in einigen Ländern Bezeichnung für ein langes Übergewand mit Kopfbedeckung, in anderen für einen langen Mantel.
- Zari: Gold- oder Silberborte, insbesondere am Bisht.
- Obi: breiter Gürtel des japanischen Kimonos; die Kimono-Abaya wird stattdessen mit einem schmalen Stoff- oder Ledergürtel getragen.
- Ohashori: Stoffumschlag an der Hüfte, mit dem der japanische Kimono auf Körperlänge gebracht wird; bei der Abaya nicht vorhanden, weil sie auf Länge geschnitten ist.
- Tamoto: unten geschlossener Ärmelsack des japanischen Kimonos; die Kimono-Abaya hat offene Ärmelröhren.
- Modest Fashion: Sammelbegriff für bedeckende, weit geschnittene Kleidung als Stilrichtung, unabhängig von religiöser Motivation.
Der Abaya Kimono verbindet die Länge und Blickdichte der arabischen Abaya mit dem offenen, geraden Schnitt und den weiten Ärmeln des Kimonos. Wer die Unterschiede zu Kaftan und Bisht kennt, Nida von Crêpe und Chiffon unterscheiden kann, die Länge nach Körpergröße wählt und die wenigen Pflegeregeln beachtet, kann das Kleidungsstück im Alltag, zu Festen und auf Reisen gleichermaßen tragen, mit oder ohne Kopftuch.













































































