Samt Kimono
Samt Kimono – Ratgeber & Wissenswertes
Ein Samt Kimono ist ein Kimono aus Samt, also aus einem Gewebe mit aufrecht stehendem, kurz geschorenem Faserflor, der die Oberfläche weich, dicht und lichtreflektierend macht. Samt wird aus Baumwolle, Viskose, Seide oder Polyester hergestellt und gehört zu den Florgeweben, die im Gegensatz zu glatten Stoffen wie Satin oder Popeline eine dritte Fadenebene besitzen. Diese Struktur verleiht dem Samtkimono seinen typischen tiefen Farbeindruck, seine Wärme und seinen schweren Fall. Er wird überwiegend in der kalten Jahreszeit, am Abend und als Hauskleidung getragen und unterscheidet sich in Pflege und Handhabung deutlich von Kimonos aus Baumwolle, Leinen oder Seide.
Dieser Text beschreibt Aufbau und Herstellung von Samt, die gebräuchlichen Samtarten wie Baumwollsamt, Pannesamt und Devoré, die Bedeutung von Flor und Strichrichtung, die Unterschiede zwischen Samtkimono und Velourskimono, passende Schnitte, Längen und Größen in cm, das Tragen im Winter und am Abend sowie die Pflege mit Dampf statt Bügeleisen. Ein Glossar und häufig gestellte Fragen schließen den Überblick ab.
Was ist ein Samt Kimono? Definition und Aufbau des Gewebes
Samt ist ein Gewebe mit einer Grundbindung aus Kette und Schuss und einem zusätzlichen Polfaden, der beim Weben in Schlingen über feine Ruten oder in einer Doppelgewebe-Technik geführt und anschließend aufgeschnitten wird. Die aufgeschnittenen Polfäden stehen als Flor senkrecht auf der Grundware und sind bei echtem Samt nicht länger als etwa drei Millimeter. Längerer Flor wird als Plüsch bezeichnet, ein Flor aus Schussfäden als Cord oder Manchester.
Ein Samtkimono übernimmt die Schnittform des Kimonos, also gerade Bahnen, überlappende Vorderteile, weite Ärmel und einen Gürtel, und kombiniert sie mit diesem Florgewebe. Im deutschen Handel bezeichnet Kimono Samt in der Regel den westlichen Kimono als Morgenmantel, Abendjacke oder Überwurf. Der traditionelle japanische Kimono aus Samt ist selten, weil Samt sich schlecht in der klassischen Technik falten und lagern lässt; er kommt vor allem als Haori oder als Meiji-zeitlicher Michiyuki-Mantel vor.
Geschichte des Samt Kimono: Seidensamt, Birōdo und Morgenmantel
Samt entstand vermutlich im Nahen Osten oder in Zentralasien und wurde ab dem 12. und 13. Jahrhundert in Italien, insbesondere in Venedig, Genua, Florenz und Lucca, aus Seide gewebt. Bis in die Neuzeit blieb Seidensamt ein Stoff für Adel, Klerus und wohlhabendes Bürgertum. Mit der industriellen Weberei des 19. Jahrhunderts kamen Baumwollsamt und später Viskosesamt hinzu, die den Stoff erschwinglich machten.
Birōdo: Samt im japanischen Kimono
Nach Japan gelangte Samt im 16. Jahrhundert über portugiesische Händler; das japanische Wort Birōdo geht auf das portugiesische veludo zurück. Samt wurde zunächst für Schwertscheiden, Tabakbeutel und Kragenbesätze verwendet. In der Meiji- und Taishō-Zeit wurden Kragen (Han-eri) und Haori aus schwarzem Samt beliebt, ebenso Michiyuki-Mäntel, die über dem Kimono getragen wurden. Ein vollständiger Kimono aus Samt blieb jedoch die Ausnahme.
Der Samt Kimono als Morgenmantel im 20. Jahrhundert
In Europa und Nordamerika wurde der Kimonoschnitt ab etwa 1900 für Hauskleidung übernommen. Der Morgenmantel im Kimonoschnitt aus Samt, häufig mit Satinfutter und Schalkragen, war in den 1920er- und 1930er-Jahren verbreitet und ist bis heute die häufigste Form des Samtkimonos für Herren. Für Damen kamen ab den 1970er-Jahren Samtkimonos als Abendjacke und in den 1990er-Jahren Pannesamt-Kimonos als Freizeitkleidung hinzu.
Flor: was den Samt Kimono von glatten Geweben unterscheidet
Der Flor ist das entscheidende Merkmal von Samt. Er besteht aus Millionen aufrecht stehender Faserenden, die Licht je nach Blickwinkel unterschiedlich reflektieren. Von vorn betrachtet erscheint Samt dunkel und tief, weil das Licht zwischen den Fasern absorbiert wird; von der Seite betrachtet glänzt er, weil die Faserseiten reflektieren. Deshalb wirkt ein Samtkimono in Bewegung lebendiger als ein glatter Stoff derselben Farbe.
Der Flor hat mehrere praktische Folgen. Er speichert Luft und damit Wärme. Er nimmt Druckstellen an, wenn er längere Zeit belastet wird, etwa beim Sitzen oder unter einem Gürtel. Er lässt sich nicht bügeln, weil das Bügeleisen den Flor platt drückt und glänzende Stellen hinterlässt. Und er zeigt eine Strichrichtung, die beim Zuschnitt und beim Tragen berücksichtigt werden muss. Alle Besonderheiten der Pflege eines Samtkimonos leiten sich aus diesen Eigenschaften des Flors ab.
Samtarten im Kimono Samt: Baumwollsamt, Pannesamt, Devoré
Unter der Bezeichnung Samt werden mehrere Gewebe geführt, die sich in Faser, Florhöhe, Oberfläche und Fall stark unterscheiden. Für den Kimono sind vor allem drei Arten relevant.
Baumwollsamt im Samt Kimono
Baumwollsamt hat einen kurzen, dichten, matten Flor und ein festes Grundgewebe. Er fällt schwer und steif, hält warm, ist strapazierfähig und vergleichsweise pflegeleicht. Ein Samtkimono aus Baumwollsamt wirkt kastig, eignet sich als Kimonojacke, Kimonomantel oder Herrenmorgenmantel und liegt meist zwischen 250 und 350 g/m². Baumwollsamt bleicht in der Sonne aus und nimmt beim Waschen leicht Knitter an, die sich aber durch Dampf entfernen lassen.
Pannesamt: gepresster Flor im Kimono Samt
Pannesamt (von französisch panne) ist ein leichter Samt, meist aus Polyester oder Viskose, dessen Flor unter Hitze und Druck in eine Richtung gelegt wird. Dadurch entsteht ein unregelmäßiger, stark changierender Glanz, der an zerknittertes Metall erinnert. Pannesamt ist dünn, dehnbar, fließend und mit etwa 150 bis 220 g/m² deutlich leichter als Baumwollsamt. Ein Kimono Samt aus Panne eignet sich als Festival- und Abendkimono, als leichter Überwurf und als Morgenmantel; er wärmt jedoch weniger und wirkt weniger tief in der Farbe.
Devoré (Ausbrenner): Muster im Samt Kimono
Devoré-Samt, auch Ausbrennersamt, besteht aus einem Mischgewebe, meist Viskoseflor auf Seiden- oder Polyestergrund. Mit einer Ätzpaste wird der Zelluloseflor stellenweise weggeätzt, sodass ein Muster aus samtigen und transparenten Flächen entsteht. Typisch sind florale und ornamentale Motive. Ein Samtkimono aus Devoré ist leicht, halbtransparent und fließend, eignet sich für Abend und Übergangszeit, ist aber empfindlich gegen Zug und Reibung, weil der Grund an den ausgebrannten Stellen sehr dünn ist.
| Samtart | Faser | Flor | Gewicht | Fall | Typischer Einsatz im Kimono |
|---|---|---|---|---|---|
| Baumwollsamt | Baumwolle | kurz, dicht, matt | 250–350 g/m² | schwer, kastig | Kimonojacke, Mantel, Herrenmorgenmantel, Winter |
| Viskosesamt | Viskose auf Seiden- oder Viskosegrund | kurz, sehr weich, glänzend | 200–300 g/m² | fließend, schwer | Abendkimono, langer Damenkimono |
| Seidensamt | Seide | kurz, fein, tiefer Glanz | 180–260 g/m² | sehr fließend | formelle Abendkimonos, selten |
| Pannesamt | Polyester, Viskose | gepresst, stark changierend | 150–220 g/m² | leicht, dehnbar | Festival, Abend, leichter Morgenmantel |
| Devoré | Viskoseflor, Seiden- oder Polyestergrund | gemustert, teilweise ausgebrannt | 120–200 g/m² | leicht, transparent | Abendkimono, Übergangszeit |
| Stretchsamt | Polyester mit Elasthan | kurz, gleichmäßig | 220–300 g/m² | dehnbar, körpernah | Kimonokleid, Loungewear |
Strichrichtung beim Samt Kimono: Zuschnitt und Farbwirkung
Der Flor von Samt liegt leicht schräg und hat deshalb eine Strichrichtung. Streicht man mit der Hand über den Stoff, fühlt er sich in einer Richtung glatt und in der anderen rau an. Gegen den Strich betrachtet erscheint Samt dunkler und satter, mit dem Strich heller und glänzender. Bei einem Samtkimono müssen alle Schnittteile in derselben Strichrichtung zugeschnitten sein, sonst wirken Rücken, Vorderteile und Ärmel unterschiedlich hell.
Üblich ist der Zuschnitt mit dem Strich nach oben, also so, dass der Flor zum Kragen zeigt: Die Farbe wirkt dann tiefer, und der Stoff nimmt weniger Staub auf. Beim Strich nach unten glänzt der Kimono stärker und fühlt sich beim Herunterstreichen glatt an. Bei Pannesamt ist die Strichrichtung durch das Pressen unregelmäßig und spielt eine geringere Rolle. Wer einen Samtkimono prüft, sollte die Nähte betrachten: Ein Farbsprung an einer Naht deutet auf falsch zugeschnittene Teile hin.
Samt Kimono vs. Velours-Kimono: die Unterschiede
Die Begriffe Samt und Velours werden im Handel oft synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Stoffe. Samt ist ein gewebtes Florgewebe mit aufgeschnittenem Kettflor. Velours ist im deutschen Sprachgebrauch meist ein gewirkter oder gestrickter Florstoff (Nicki, Frotteevelours), dessen Flor aus aufgeschnittenen Maschenschlingen entsteht. Velours ist deshalb dehnbar, weicher, weniger dicht und deutlich pflegeleichter, glänzt aber weniger und hat keine ausgeprägte Farbtiefe.
- Samtkimono: gewebt, formstabil, nicht dehnbar, tiefer Glanz, empfindlich gegen Druck und Bügeln, meist Abend- oder Winterkleidung.
- Velourskimono: gewirkt, dehnbar, weich, matt bis leicht glänzend, maschinenwaschbar, meist Bademantel, Hausanzug oder Loungewear.
- Frotteevelours: Frottee mit geschorener Schlingenseite, saugfähig, typisch für den Kimono-Bademantel nach Bad oder Sauna.
Ein Kimono Bademantel Damen aus Frotteevelours ist ein Gebrauchsgegenstand für das Bad, während der Samtkimono ein Kleidungsstück für Abend, Winter und Hauskleidung ist. Wer einen weichen, waschbaren Kimono für den Alltag sucht, ist mit Velours besser bedient; wer die Optik und Farbtiefe von Samt sucht, mit echtem Samt.
Fasern im Samt Kimono: Baumwolle, Viskose, Seide, Polyester
Die Faser des Flors bestimmt Glanz, Weichheit, Wärme und Pflegeaufwand eines Samtkimonos stärker als die Samtart. Die folgende Übersicht stellt die vier gebräuchlichen Fasern gegenüber.
| Eigenschaft | Baumwollsamt | Viskosesamt | Seidensamt | Polyestersamt |
|---|---|---|---|---|
| Glanz | matt | hoch, weich | sehr hoch, tief | hoch, hart |
| Griff | trocken, fest | sehr weich, kühl | weich, fließend | weich, leicht synthetisch |
| Wärme | hoch | mittel bis hoch | mittel | mittel, staut Feuchtigkeit |
| Fall | steif, kastig | schwer, fließend | sehr fließend | je nach Grund leicht bis mittel |
| Knittern | mittel | stark, Flor bricht | mittel | gering |
| Pflege | Handwäsche oder Schonwaschgang | Reinigung empfohlen | Reinigung | Maschine 30 °C |
| Druckstellen | mittel | stark | stark | gering bis mittel |
Viskosesamt gilt wegen seines weichen Glanzes als der klassische Samt für Abendkleidung; er ist zugleich der empfindlichste, weil der Flor bei Nässe und Druck bricht und bleibende Flecken hinterlässt. Polyestersamt ist der unempfindlichste und meist waschbar, aber weniger atmungsaktiv. Baumwollsamt liegt zwischen beiden und ist der übliche Stoff für Kimonojacken und Herrenmorgenmäntel.
Gewicht und Fall: wann ein Samt Kimono schwer wirkt
Samt ist durch die dritte Fadenebene schwerer als glatte Gewebe gleicher Faser. Ein langer Samtkimono aus Baumwollsamt kann je nach Länge und Ärmelweite 900 bis 1.400 Gramm wiegen, ein Modell aus Pannesamt dagegen nur 300 bis 500 Gramm. Das Gewicht beeinflusst den Fall: Schwerer Samt hängt gerade und ruhig, leichter Samt bewegt sich stärker und legt sich in weiche Falten.
Für einen langen Damenkimono, der als Abendmantel getragen wird, ist ein mittelschwerer Viskose- oder Seidensamt üblich, weil er fließt und dennoch Fall hat. Für eine kurze Kimonojacke eignet sich fester Baumwollsamt, der die Form hält. Ein Morgenmantel aus schwerem Baumwollsamt ist warm, kann aber beim längeren Tragen auf den Schultern lasten; Modelle mit Satinfutter gleiten besser und ziehen weniger.
Samt Kimono im Winter: Wärme und Schichtung
Der Flor speichert ruhende Luft und macht Samt zu einem der wärmsten Kimonostoffe. Ein Samtkimono ersetzt zwar keine Winterjacke im Freien, ist aber in beheizten Innenräumen, an kühlen Abenden und in der Übergangszeit ein wärmendes Kleidungsstück. Gefütterte Modelle mit Satin- oder Baumwollfutter halten zusätzlich warm und verhindern, dass der Samt an der Kleidung darunter reibt.
- Innenraum: langer Samtkimono als Morgenmantel über Pyjama oder Nachthemd, vor allem in schlecht beheizten Altbauwohnungen.
- Abend im Freien: kurze Samtkimonojacke über Kleid oder Bluse, kombiniert mit einem Mantel für den Weg.
- Übergangszeit: Samtkimono aus Baumwollsamt als Jacke über Rollkragenpullover oder Hemd, an trockenen Tagen auch ohne weitere Schicht.
Ein Kimono Mantel Damen aus schwerem Baumwollsamt mit Futter kommt einem leichten Wintermantel am nächsten. Bei Nässe ist Samt ungeeignet, weil Wassertropfen den Flor verkleben und nach dem Trocknen Flecken hinterlassen.
Samt Kimono am Abend: Anlässe und Kombination
Die Farbtiefe und der Lichtreflex von Samt kommen bei Kunstlicht besonders zur Geltung, weshalb der Samtkimono traditionell ein Kleidungsstück für den Abend ist. Übliche Anlässe sind Theater, Konzert, Restaurant, Feiern in der kalten Jahreszeit und festliche Anlässe im Dezember. Der Kimono wird dabei offen oder mit Gürtel über einem schlichten Kleid, einer Bluse mit Hose oder einem Top getragen.
Bewährte Kombinationen sind ein dunkler Samtkimono in Schwarz, Bordeaux, Smaragd oder Nachtblau über einem einfarbigen Kleid aus Satin oder Jersey, oder ein kurzer Samtkimono mit Stickerei über einer schmalen Hose. Weil Samt selbst viel Struktur mitbringt, bleiben die übrigen Teile glatt und schlicht. Ein Kimono Schwarz aus Samt ist die neutralste Form und lässt sich am häufigsten kombinieren; ein Kimono Rot aus Samt wirkt am Abend besonders tief.
Kimono Samt als Morgenmantel und Hauskleidung
Der Morgenmantel im Kimonoschnitt aus Samt ist die älteste westliche Form dieses Kleidungsstücks. Er ist knie- bis wadenlang, hat einen Schalkragen oder einen flachen Kimonokragen, aufgesetzte Taschen, einen Bindegürtel mit Schlaufen und häufig ein Futter aus Satin oder Baumwolle. Für Herren sind gedeckte Farben wie Dunkelblau, Bordeaux, Dunkelgrün und Schwarz üblich, für Damen kommen Rosé, Altrosa, Senf und Petrol hinzu.
Als Hauskleidung ist ein Kimono Samt bequem, aber pflegeintensiver als ein Baumwoll- oder Veloursmodell. Er sollte nicht zum Kochen oder für Hausarbeit getragen werden, weil Fett- und Wasserflecken im Flor schwer zu entfernen sind. Nach dem Tragen gehört er auf einen breiten Bügel, nicht über einen Stuhl, damit sich keine Druckstellen bilden. Weitere Schnittvarianten für zu Hause finden sich unter Kimono Morgenmantel Damen.
Schnitte und Längen beim Samt Kimono
Samtkimonos werden in denselben Grundschnitten angeboten wie Kimonos aus anderen Stoffen, wobei das Gewicht des Materials die Wahl beeinflusst.
Samt Kimono lang
Lange Modelle reichen bis zur Wade oder zum Knöchel, meist 110 bis 135 cm Rückenlänge. Sie werden als Abendmantel oder Morgenmantel getragen und bestehen meist aus Viskose-, Seiden- oder Pannesamt, damit sie trotz der Länge fließen. Ein Bindegürtel und ein Futter sind bei langen Samtkimonos üblich.
Samt Kimono kurz: die Kimonojacke
Kurze Modelle enden auf Hüfthöhe bis Oberschenkelmitte, etwa 60 bis 85 cm Rückenlänge. Sie bestehen häufig aus Baumwollsamt, werden offen über Kleid oder Bluse getragen und ähneln in Schnitt und Länge einem japanischen Haori. Bestickte kurze Samtkimonos mit floralen oder Kranichmotiven sind eine verbreitete Abendvariante; Näheres zu diesem Schnitt unter Kimono Jacke Damen.
Samt Kimono für Herren
Für Herren dominiert der Morgenmantel aus Baumwoll- oder Polyestersamt mit Schalkragen, Rückenlänge 105 bis 125 cm, sowie die kurze, gerade Samtjacke im Haori-Schnitt für den Abend. Farben sind überwiegend dunkel und uni; Paisley-Muster und Satinpaspeln an Kragen und Ärmelaufschlägen sind traditionelle Details des Herrenmorgenmantels.
Größentabelle: Samt Kimono in cm
Da Samt schwer ist und nicht nachgibt, sollte ein Samtkimono in Schulter und Ärmel etwas Bewegungsfreiheit lassen. Bei Stretchsamt ist die Passform körpernäher. Die folgenden Werte sind Richtwerte für westliche Kimonoschnitte; die Rückenlänge wird von der Nackennaht bis zum Saum gemessen, die Ärmellänge von der Schulternaht bis zum Ärmelsaum.
| Größe | Körpergröße | Brustumfang | Rückenlänge kurz | Rückenlänge lang | Ärmellänge |
|---|---|---|---|---|---|
| XS/S (34–36) | 158–166 cm | 80–88 cm | 62–68 cm | 110–118 cm | 42–50 cm |
| M (38–40) | 164–172 cm | 88–96 cm | 66–72 cm | 114–122 cm | 44–52 cm |
| L (42–44) | 168–176 cm | 96–104 cm | 70–76 cm | 118–126 cm | 46–54 cm |
| XL (46–48) | 170–180 cm | 104–114 cm | 72–78 cm | 120–130 cm | 48–56 cm |
| Herren M | 172–180 cm | 96–104 cm | 74–80 cm | 108–118 cm | 52–58 cm |
| Herren L/XL | 178–190 cm | 104–116 cm | 78–86 cm | 114–124 cm | 56–62 cm |
Ein gefütterter Samtkimono trägt an Schulter und Oberarm etwas auf; wer ihn über Strick tragen möchte, wählt eine Größe größer. Bei Pannesamt und Stretchsamt reicht die normale Konfektionsgröße, weil das Material nachgibt.
Samt Kimono richtig tragen und binden
Ein Samtkimono wird am Abend meist offen getragen, als Morgenmantel dagegen gebunden. Beim Binden ist zu beachten, dass der Gürtel Druckstellen im Flor hinterlässt, wenn er stundenlang eng sitzt.
- Kimono anziehen und die Schultern so ausrichten, dass die Rückennaht mittig liegt.
- Die rechte Vorderseite über den Körper legen, dann die linke Vorderseite darüber, sodass links außen liegt.
- Den Gürtel durch die Schlaufen führen und locker in der Taille binden; eine einfache Schleife oder ein flacher Knoten genügen.
- Die Vorderteile glatt streichen, in Strichrichtung des Flors, nicht dagegen.
- Nach dem Tragen den Gürtel lösen und den Kimono auf einen breiten Bügel hängen, damit sich der Flor an der Gürtelstelle erholt.
Ein schmaler Ledergürtel oder ein Obi aus Satin ist bei langen Abendkimonos üblich; bei Baumwollsamt ist der Gürtel aus demselben Stoff die Regel. Breite, feste Gürtel drücken den Flor stärker als schmale, weiche.
Samt Kimono pflegen: Dampf statt Bügeleisen
Die wichtigste Regel für Samt lautet: nicht bügeln. Ein aufgesetztes Bügeleisen drückt den Flor flach und erzeugt glänzende, dauerhaft sichtbare Stellen. Falten und Druckstellen werden stattdessen mit Dampf entfernt, und die Reinigung richtet sich nach der Faser.
Samt Kimono mit Dampf auffrischen
Der Kimono wird auf einen Bügel gehängt und mit einem Dampfglätter oder einem Dampfbügeleisen aus etwa zehn bis fünfzehn Zentimetern Abstand von der linken Seite oder von der Florseite bedampft, ohne den Stoff zu berühren. Der Flor richtet sich durch die Feuchtigkeit und Wärme wieder auf. Anschließend kann er mit einer weichen Kleiderbürste in Strichrichtung ausgebürstet werden. Alternativ hängt man den Kimono für zwanzig Minuten in ein Badezimmer mit heißem Duschdampf. Hartnäckige Falten werden über einem Samtbrett oder einem zweiten Stück Samt von links gebügelt, damit der Flor in den Flor des Unterlagestoffs eintauchen kann.
Samt Kimono waschen oder reinigen
Baumwoll- und Polyestersamt vertragen in der Regel Handwäsche oder den Schonwaschgang bei 30 Grad mit Feinwaschmittel, auf links gedreht, ohne Schleudern oder mit sehr niedriger Drehzahl. Viskose- und Seidensamt sowie Devoré gehören in die chemische Reinigung, weil der Flor bei Nässe bricht und das Gewebe einläuft. Nach dem Waschen wird der Kimono nicht ausgewrungen, sondern in ein Handtuch gerollt, ausgeschüttelt und tropfnass auf einem Bügel getrocknet. Der Flor wird während des Trocknens zwei- oder dreimal ausgeschüttelt, damit er sich aufrichtet. Wäschetrockner sind bei allen Samtarten außer Polyester zu vermeiden.
Samt Kimono aufbewahren
Samt wird hängend auf einem breiten, gepolsterten Bügel aufbewahrt, mit Abstand zu anderen Kleidungsstücken, damit nichts auf den Flor drückt. Gefaltete Lagerung erzeugt Bruchfalten, die sich nur mit Dampf entfernen lassen. Für längere Lagerung eignet sich ein atmungsaktiver Stoffbeutel; Plastikhüllen halten Feuchtigkeit und begünstigen Stockflecken. Baumwoll- und Viskosesamt sind für Motten wenig anfällig, Seidensamt dagegen schon.
- Nie mit dem Bügeleisen direkt auf dem Flor bügeln
- Falten mit Dampf aus 10–15 cm Abstand entfernen, dann in Strichrichtung bürsten
- Baumwolle, Polyester: Handwäsche oder 30 Grad Schonwaschgang, auf links, kaum schleudern
- Viskose, Seide, Devoré: chemische Reinigung
- Tropfnass hängend trocknen, mehrfach ausschütteln, kein Trockner
- Flecken sofort mit einem trockenen Tuch abtupfen, nie reiben
- Hängend und mit Abstand lagern, nicht falten
Druckstellen und Glanzstellen im Samt Kimono beheben
Druckstellen entstehen, wenn der Flor längere Zeit flach gedrückt wird, etwa durch Sitzen, Gürtel, Taschenriemen oder gefaltete Lagerung. Sie erscheinen als hellere oder dunklere Flächen, weil das Licht anders reflektiert wird. Frische Druckstellen verschwinden meist durch Bedampfen und Ausbürsten. Ältere Druckstellen lassen sich lindern, indem der Kimono von links über einen feuchten Lappen mit einem heißen Bügeleisen bedampft wird, ohne Druck, und der Flor gleichzeitig von rechts mit einer weichen Bürste gegen den Strich aufgerichtet wird.
Glanzstellen durch Bügeln oder Reibung sind schwieriger, weil dabei die Faserenden platt gepresst oder abgebrochen sind. Bei Baumwollsamt hilft manchmal Bedampfen und vorsichtiges Aufrauen mit einer Kleiderbürste; bei Viskose- und Seidensamt bleiben Glanzstellen in der Regel dauerhaft. Vorbeugung ist deshalb wichtiger als Reparatur: keine Taschen mit Riemen über dem Samtkimono tragen, nicht auf harten Kanten sitzen und den Gürtel nur locker binden.
Farben beim Samt Kimono: Tiefe, Lichtreflex, Färbung
Samt wird nach dem Weben im Stück gefärbt; die Farbe sitzt im Flor und im Grundgewebe. Weil der Flor Licht schluckt, wirken Farben auf Samt dunkler und satter als auf glatten Geweben derselben Färbung. Diese Farbtiefe ist der Grund, warum Samtkimonos überwiegend in gesättigten, dunklen Tönen angeboten werden: Schwarz, Bordeaux, Weinrot, Smaragd, Tannengrün, Nachtblau, Petrol, Aubergine, Senf und Bronze. Helle Töne wie Rosé, Puder oder Elfenbein wirken auf Samt weich und leicht schimmernd, zeigen aber Druckstellen deutlicher.
Bei Pannesamt und Polyestersamt ist der Glanz härter und metallischer, bei Viskose- und Seidensamt weicher und tiefer. Bedruckter Samt und bestickter Samt sind verbreitete Varianten für Abendkimonos, wobei Stickerei auf Baumwollsamt haltbarer ist als auf Viskosesamt. Devoré ergibt Ton-in-Ton-Muster aus Flor und Grund, häufig mit Metallfäden im Grundgewebe.
Samt Kimono und Saison: Herbst bis Frühjahr
Der Einsatz eines Samtkimonos folgt dem Kalender. Die Hauptsaison reicht von Oktober bis März; in den Sommermonaten ist Samt für Innenräume mit Klimaanlage und kühle Abende in Betracht zu ziehen, im Freien jedoch zu warm.
| Jahreszeit | Geeignete Samtart | Form | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Herbst | Baumwollsamt, Viskosesamt | Kimonojacke, langer Kimono | Übergangsjacke, Abend, Theater |
| Winter | Baumwollsamt gefüttert, schwerer Viskosesamt | Kimonomantel, Morgenmantel | Innenraum, Feiertage, Abend |
| Frühjahr | Pannesamt, Devoré, leichter Baumwollsamt | kurzer Kimono, Überwurf | kühle Abende, Feiern |
| Sommer | Devoré, dünner Pannesamt | Überwurf | Festival am Abend, klimatisierte Räume |
Für Festivals und Sommerabende wird gelegentlich ein leichter Pannesamt-Kimono getragen; einen Überblick über diese Schnitte gibt der Festival Kimono. Für den Hochsommer sind Kimonos aus Baumwolle, Leinen oder Musselin die geeignete Wahl.
Haori und Michiyuki aus Samt: verwandte Kimono-Formen
In der japanischen Kleidung kommt Samt vor allem in Überkleidung vor, die über dem eigentlichen Kimono getragen wird.
- Haori: hüft- bis knielange offene Jacke mit Haori-Himo-Schnur, im Winter aus Samt oder Wolle. Der westliche kurze Samtkimono entspricht dem Haori am ehesten.
- Michiyuki: Mantel mit quadratischem Ausschnitt und Knopfverschluss, in der Taishō- und frühen Shōwa-Zeit häufig aus schwarzem Samt, getragen über dem Kimono auf der Straße.
- Dōchūgi: Mantel mit Kimonokragen und seitlichen Bändern, ebenfalls aus Samt oder Wolle für die kalte Jahreszeit.
- Han-eri: austauschbarer Kragenbesatz des Nagajuban, im Winter der Meiji- und Taishō-Zeit gern aus Samt.
- Kimono-Bademantel aus Frotteevelours: kein Samt, sondern gewirkter Velours, oft fälschlich als Samtkimono bezeichnet.
Objektive Auswahlkriterien für den Samt Kimono
Unabhängig von Marke und Preis lassen sich Samtkimonos an folgenden Merkmalen beurteilen.
- Faser des Flors: Baumwolle, Viskose, Seide oder Polyester laut Etikett; sie bestimmt Glanz, Wärme und Pflege.
- Samtart: Baumwollsamt, Viskosesamt, Pannesamt, Devoré oder Stretchsamt; sie bestimmt Gewicht und Fall.
- Flächengewicht in g/m², falls angegeben: unter 200 g/m² leicht und eher für Abend und Übergangszeit, über 250 g/m² warm und formstabil.
- Strichrichtung: alle Teile in derselben Richtung zugeschnitten, keine Farbsprünge an den Nähten.
- Futter: gefüttert für Winter und Morgenmantel, ungefüttert für Abendjacke und Überwurf.
- Pflegekennzeichnung: waschbar oder nur Reinigung; Viskose- und Seidensamt bedeuten höheren Pflegeaufwand.
- Maße in cm: Rückenlänge und Ärmellänge, Schulterweite bei gefütterten Modellen.
- Verarbeitung: Nähte auf gleichmäßigen Flor prüfen, Stickerei auf Baumwollsamt ist haltbarer als auf Viskosesamt.
Glossar zum Samt Kimono
- Flor: aufrecht stehende, aufgeschnittene Polfäden, die die Oberfläche von Samt bilden.
- Strichrichtung: Neigungsrichtung des Flors; gegen den Strich wirkt Samt dunkler, mit dem Strich heller.
- Baumwollsamt: Samt mit Baumwollflor, matt, fest, warm, vergleichsweise pflegeleicht.
- Pannesamt: leichter Samt mit unter Druck flach gelegtem Flor und starkem, unregelmäßigem Glanz.
- Devoré: Ausbrennersamt, bei dem der Zelluloseflor stellenweise weggeätzt wird und ein Muster aus Samt und transparentem Grund entsteht.
- Velours: gewirkter oder gestrickter Florstoff, dehnbar und pflegeleicht, kein gewebter Samt.
- Plüsch: Florgewebe mit längerem Flor als Samt, über etwa drei Millimeter.
- Birōdo: japanisches Wort für Samt, abgeleitet vom portugiesischen veludo.
- Haori: offene Jacke über dem Kimono, im Winter aus Samt oder Wolle.
- Michiyuki: Kimonomantel mit quadratischem Ausschnitt, historisch häufig aus schwarzem Samt.
- Han-eri: austauschbarer Kragen des Unterkimonos, im Winter aus Samt.
- Samtbrett: Nadelbrett zum Bügeln von Samt von links, in das der Flor eintauchen kann.
Häufige Fragen zu Samt Kimono
Kann ein Samt Kimono gebügelt werden?
Nicht direkt. Ein aufgesetztes Bügeleisen drückt den Flor flach und hinterlässt glänzende Stellen. Falten werden mit Dampf aus zehn bis fünfzehn Zentimetern Abstand entfernt, anschließend wird der Flor in Strichrichtung ausgebürstet. Hartnäckige Falten lassen sich von links über einem Samtbrett oder einem zweiten Stück Samt bügeln. Ein Dampfglätter ist für Samt das geeignete Gerät.
Ist ein Samt Kimono waschbar?
Das hängt von der Faser ab. Baumwoll- und Polyestersamt vertragen meist Handwäsche oder einen Schonwaschgang bei 30 Grad, auf links und ohne Schleudern. Viskose-, Seiden- und Devoré-Samt gehören in die Reinigung, weil der Flor bei Nässe bricht und das Gewebe einlaufen kann. Das Pflegeetikett ist maßgeblich. Nach der Wäsche wird der Kimono tropfnass hängend getrocknet und mehrfach ausgeschüttelt.
Worin unterscheidet sich ein Samt Kimono von einem Velours-Kimono?
Samt ist gewebt und hat einen aufgeschnittenen Kettflor; er ist formstabil, glänzt tief und ist empfindlich gegen Druck und Bügeln. Velours ist gewirkt oder gestrickt, dehnbar, weicher, matter und maschinenwaschbar. Velourskimonos sind meist Bademäntel oder Hausanzüge, Samtkimonos meist Abend- und Winterkleidung oder Morgenmäntel mit repräsentativer Optik.
Was ist Pannesamt beim Kimono Samt?
Pannesamt ist ein leichter Samt, meist aus Polyester oder Viskose, dessen Flor unter Hitze und Druck in eine Richtung gepresst wurde. Er glänzt stark und unregelmäßig, ist dünn, dehnbar und fließend. Ein Kimono aus Pannesamt wiegt deutlich weniger als einer aus Baumwollsamt, wärmt weniger und wird vor allem für Abend, Festival und leichte Morgenmäntel verwendet.
Warum sieht ein Samt Kimono an manchen Stellen heller aus?
Meist liegt das an der Strichrichtung oder an Druckstellen. Wo der Flor in eine andere Richtung liegt, reflektiert er Licht anders und wirkt heller oder dunkler. Druckstellen entstehen durch Sitzen, Gürtel oder gefaltete Lagerung. Beide Erscheinungen lassen sich meist durch Bedampfen und Ausbürsten in Strichrichtung beheben. Farbsprünge an Nähten deuten dagegen auf einen Zuschnitt gegen den Strich hin.
Für welche Jahreszeit eignet sich ein Samt Kimono?
Vor allem für Herbst, Winter und Frühjahr. Der Flor speichert Luft und wärmt, weshalb Samt im Sommer im Freien zu warm ist. Baumwoll- und Viskosesamt sind Winterstoffe, Pannesamt und Devoré leichter und auch für kühle Frühlings- und Sommerabende geeignet. Als Morgenmantel wird der Samtkimono ganzjährig in kühlen Innenräumen getragen.
Wie werden Flecken aus einem Samt Kimono entfernt?
Flüssigkeiten sofort mit einem trockenen, saugfähigen Tuch abtupfen, nie reiben, weil Reiben den Flor bricht und verfilzt. Getrocknete Flecken vorsichtig mit einer weichen Bürste ausbürsten. Fettflecken bei Baumwollsamt mit etwas Feinwaschmittel und wenig Wasser betupfen, dann bedampfen und bürsten. Bei Viskose- und Seidensamt ist die Reinigung der sichere Weg, weil Wasserränder im Flor dauerhaft sichtbar bleiben können.
Wie schwer ist ein Samt Kimono?
Ein langer Kimono aus Baumwollsamt wiegt je nach Länge, Ärmelweite und Futter etwa 900 bis 1.400 Gramm, ein kurzer aus demselben Stoff 500 bis 800 Gramm. Modelle aus Pannesamt oder Devoré liegen bei 300 bis 500 Gramm. Das Gewicht beeinflusst den Fall und den Tragekomfort: Schwere Modelle hängen ruhig und gerade, leichte bewegen sich mit.
Zusammengefasst ist der Samt Kimono ein Kleidungsstück für die kalte Jahreszeit, den Abend und den Innenraum, dessen Eigenschaften vom Flor bestimmt werden: Farbtiefe, Wärme, Gewicht, Strichrichtung und Empfindlichkeit gegen Druck und Bügeln. Baumwollsamt, Pannesamt und Devoré decken unterschiedliche Anlässe ab, und die Pflege mit Dampf statt Bügeleisen entscheidet über die Lebensdauer. Wer diese Merkmale kennt, kann einen Samtkimono von Velours-, Satin- und Seidenkimonos unterscheiden und passend zu Saison und Anlass auswählen.










