Kimono Herren
Kimono Herren – Ratgeber & Wissenswertes
Ein Kimono Herren ist die männliche Form des traditionellen japanischen Wickelgewands, das aus geraden Stoffbahnen genäht, vorne überlappend geschlossen und mit einem Gürtel auf Hüfthöhe gehalten wird. Im Unterschied zum Damenmodell wird der Herrenkimono ohne Längenfalte getragen, hat fast vollständig angenähte Ärmel und kommt mit deutlich weniger Zubehör aus. Der Begriff deckt heute allerdings ein breites Feld ab: von der maßgeschneiderten Seidenrobe für eine Teezeremonie über den ungefütterten Baumwollkimono für den Sommer bis zu westlich interpretierten Kimonojacken und Kimono-Bademänteln.
Dieser Text erklärt, woher der Männerkimono stammt, welche Typen es gibt, wie sich Schnitt, Stoff und Farbe nach Anlass und Jahreszeit richten, wie das Gewand korrekt angezogen und gebunden wird, welche Maße in Zentimetern üblich sind und wie es sich von Yukata, Haori, Jinbei, Samue und Hakama abgrenzt. Am Ende stehen Pflegehinweise, ein Glossar der japanischen Fachbegriffe und Antworten auf häufige Fragen.
Was ist ein Kimono für Herren?
Das japanische Wort Kimono (着物) bedeutet wörtlich „Ding zum Anziehen“. Bis ins 19. Jahrhundert war es ein Sammelbegriff für Kleidung überhaupt; erst mit dem Aufkommen westlicher Mode in der Meiji-Zeit wurde es zur Bezeichnung für das traditionelle Gewand, in Abgrenzung zu Yōfuku, der westlichen Kleidung. Der eigentliche Fachbegriff für das lange Wickelgewand lautet Nagagi, ältere Texte sprechen von Kosode, dem „Kleinärmel“.
Ein Herrenkimono besteht aus einer einzigen Stoffbahn von rund 36 bis 40 cm Breite und etwa 11 bis 12 m Länge, dem sogenannten Tanmono. Daraus werden Rückenteile, Vorderteile, Ärmel, Kragen und die schmalen Vorderblenden (Okumi) geschnitten, ohne dass Stoff verloren geht. Diese Bauweise erklärt, warum ein Männerkimono immer aus geraden Nähten besteht und warum er sich vollständig auftrennen, waschen und neu zusammensetzen lässt.
Kimono Herren im westlichen Sprachgebrauch
In deutschsprachigen Onlineshops meint „Kimono“ oft etwas anderes als in Japan: einen offen getragenen Überwurf, eine leichte Jacke mit weiten Ärmeln oder einen Morgenmantel mit Wickelverschluss. Diese Kleidungsstücke greifen einzelne Merkmale des Originals auf, in erster Linie die T-Form und den Überschlag, folgen aber nicht der japanischen Konstruktion. Wer nach einem Männerkimono sucht, sollte deshalb zuerst klären, ob ein traditionelles Gewand, eine Kimono Jacke Herren oder ein Kimono Bademantel Herren gemeint ist.
Geschichte des Herren Kimono
Der Kimono von der Heian-Zeit bis zur Edo-Zeit
In der Heian-Zeit (794–1185) trugen adlige Männer vielschichtige Hofgewänder wie den Sokutai, unter denen der Kosode als Unterkleid lag. In der Kamakura- und Muromachi-Zeit (1185–1573) wanderte der Kosode nach außen und wurde zur Alltagskleidung der Samurai und später aller Stände. In der Edo-Zeit (1603–1868) erreichte das Gewand seine heutige Form. Kleiderordnungen verboten Kaufleuten auffällige Stoffe, weshalb sich bei Männern gedeckte Außenfarben mit aufwendig gemusterten Futterstoffen und Unterkimonos durchsetzten. Diese Zurückhaltung im Äußeren prägt den Männerkimono bis heute.
Männer Kimono von der Meiji-Zeit bis heute
Ab 1868 verordnete die Meiji-Regierung Beamten, Soldaten und Eisenbahnern westliche Uniformen. Männer wechselten deshalb früher und vollständiger zur westlichen Kleidung als Frauen, die den Kimono im Alltag noch bis in die 1930er-Jahre trugen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Herrenkimono weitgehend zur Festkleidung für Hochzeiten, Neujahr, Trauerfeiern, Teezeremonie und traditionelle Künste. Seit den 2000er-Jahren steigt das Interesse an gebrauchten Kimonos, an Baumwoll- und Wollmodellen für den Alltag und an Kimono-Elementen in der Herrenmode wieder an.
Kimono Herren: Aufbau und Schnitt
Ein Herrenkimono wird auf die exakte Körpergröße des Trägers genäht, denn anders als bei Frauen gibt es keine Ohashori, also keine Stofffalte unter dem Gürtel, mit der die Länge angepasst wird. Die Saumkante liegt idealerweise auf Höhe des Knöchels. Der Ärmel (Sode) ist bis auf eine kleine Öffnung unter der Achsel an den Körper genäht; diese Öffnung heißt Ningyō und misst meist nur wenige Zentimeter. Der Ärmelsack ist mit rund 49 bis 52 cm Länge kürzer und eckiger als beim Damenkimono.
Kragen und Überschlag beim Kimono Mann
Der Kragen (Eri) liegt beim Mann eng am Hals an und wird nicht im Nacken nach hinten gezogen, wie es bei Frauen üblich ist. Vorne wird stets die linke Seite über die rechte gelegt; die umgekehrte Reihenfolge ist Verstorbenen bei der Aufbahrung vorbehalten. Die Vorderblende Okumi verbreitert das Vorderteil, damit sich der Überschlag beim Sitzen und Gehen nicht öffnet. Am Ausschnitt entsteht durch das Übereinanderlegen eine V-Form, in der das Kragenband des Unterkimonos etwa einen Zentimeter sichtbar bleibt.
Typische Maße eines Kimono für Herren
- Gesamtlänge (Mitake): Körpergröße minus etwa 25 bis 30 cm, sodass der Saum am Knöchel endet.
- Ärmelweite von Rückenmitte bis Handgelenk (Yuki): ungefähr 40 Prozent der Körpergröße plus 2 bis 3 cm, meist 68 bis 74 cm.
- Ärmellänge (Sodetake): 49 bis 52 cm, bei sehr großen Männern bis 55 cm.
- Rückenbreite (Ushiro-haba): 29 bis 32 cm je Rückenhälfte.
- Vorderbreite (Mae-haba): 24 bis 27 cm.
Herren Kimono und Damenkimono im Vergleich
Auf den ersten Blick wirken beide Gewänder ähnlich, in Schnitt, Trageweise und Zubehör unterscheiden sie sich jedoch deutlich. Wer bereits Damenmodelle kennt, etwa aus der Sammlung Kimono Damen, erkennt die Abweichungen am schnellsten an den Ärmeln und am Gürtel.
| Merkmal | Herrenkimono | Damenkimono |
|---|---|---|
| Länge | Exakt auf Knöchelhöhe genäht, keine Falte | Länger als der Körper, Überschuss als Ohashori gefaltet |
| Ärmel | Fast vollständig angenäht, 49–52 cm lang | Unter der Achsel offen, 49 cm bis über 100 cm lang |
| Kragen | Eng am Nacken | Im Nacken nach hinten gezogen |
| Gürtel | Kaku-Obi 9–10 cm breit oder weicher Heko-Obi, tief auf der Hüfte | Obi 30 cm breit, auf Taillenhöhe, mit Hilfsbändern |
| Farben | Schwarz, Grau, Braun, Dunkelblau, Dunkelgrün, gedeckte Töne | Gesamtes Spektrum, Muster oft großflächig |
| Zubehör | Nagajuban, Tabi, Zōri oder Geta, ggf. Haori und Hakama | Zusätzlich Obiage, Obijime, Obi-Kissen, Datejime |
| Anziehzeit | Mit Übung 5 bis 10 Minuten | Häufig 20 bis 40 Minuten |
Arten von Kimonos für Männer
Japanische Kleidungsregeln ordnen Männerkimonos nach Formalitätsgrad. Entscheidend sind Stoff, Farbe, die Zahl der Familienwappen (Mon) und ob Haori und Hakama dazu getragen werden.
Kuro-Montsuki: der schwarze Kimono mit fünf Wappen
Der schwarze Seidenkimono mit fünf weißen Wappen an Rücken, Brust und Ärmeln ist die formellste Herrenkleidung. Er wird mit schwarzem Wappen-Haori, gestreiftem Sendaihira-Hakama, weißen Tabi und weißen Haori-Kordeln kombiniert und bei Hochzeiten des Bräutigams, bei Trauerfeiern und Staatsakten getragen.
Iro-Montsuki und Omeshi: halbformelle Kimonos
Farbige Wappenkimonos in Grau, Dunkelblau oder Braun mit ein oder drei Wappen sind für Feiern, Neujahrsbesuche und Teezeremonien üblich. Omeshi bezeichnet einen kräuseligen Krepp aus vorgefärbter Seide, der ohne Wappen als gehobene Ausgehkleidung gilt und mit Haori getragen wird.
Tsumugi, Baumwolle und Wolle: Kimono Männer im Alltag
Tsumugi ist eine feste, matt schimmernde Seide aus handgesponnenen Fäden, die als Freizeitkleidung eingestuft wird, selbst wenn einzelne Stücke sehr teuer sind. Baumwollkimonos und Wollkimonos gehören zur informellen Kategorie, lassen sich zu Hause waschen und eignen sich für den täglichen Gebrauch. Details zu den Stoffen finden sich in den Sammlungen Kimono Seide Herren und Kimono Baumwolle Herren.
Yukata: der einfachste Kimono für Männer
Der Yukata ist ein ungefütterter Baumwollkimono ohne Unterkimono. Männer tragen ihn im Sommer zu Feuerwerken, in Thermalbädern (Onsen) und in traditionellen Gasthäusern (Ryokan). Er ist der einzige Kimonotyp, der ohne Tabi und direkt auf der Haut getragen wird.
Kimono Herren vs. Yukata, Haori, Jinbei, Samue und Hakama
Viele Suchanfragen nach einem Herrenkimono zielen eigentlich auf eines dieser verwandten Kleidungsstücke. Die Tabelle zeigt die Unterschiede in Länge, Material und Verwendung.
| Kleidungsstück | Länge | Typischer Stoff | Verschluss | Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| Kimono (Nagagi) | Knöchellang | Seide, Baumwolle, Wolle, Polyester | Überschlag plus Obi | Formell bis Alltag, je nach Stoff |
| Yukata | Knöchellang | Ungefütterte Baumwolle | Überschlag plus Heko- oder Kaku-Obi | Sommerfeste, Bad, Ryokan |
| Haori | Hüft- bis oberschenkellang | Seide, Wolle, Baumwolle | Offen, Kordel (Haori-himo) vor der Brust | Jacke über dem Kimono |
| Jinbei | Oberteil hüftlang plus kurze Hose | Baumwolle, Leinen, Hanf | Bindebänder innen und außen | Hausanzug, Sommer, Freizeit |
| Samue | Oberteil hüftlang plus lange Hose | Baumwolle, Leinen, Denim | Bindebänder, Hose mit Bund | Arbeitskleidung der Zen-Mönche, Handwerk |
| Hakama | Knöchellanger Hosenrock | Seide, Polyester, Baumwolle | Vier Bänder um die Hüfte | Über dem Kimono: Zeremonie, Kampfkunst |
| Happi | Hüftlang | Baumwolle, bedruckt | Offen oder mit Gürtel | Feste, Vereine, Zunftzeichen |
Der grundlegende Unterschied liegt in der Schichtung: Ein vollständiges Herrenoutfit besteht aus Hadajuban (Unterhemd), Nagajuban (Unterkimono), dem eigentlichen Kimono, Obi und je nach Anlass Haori und Hakama. Der Yukata ersetzt diese Schichten im Sommer durch eine einzige Lage Baumwolle. Jinbei und Samue sind dagegen zweiteilige Anzüge ohne Gürtel und ohne Unterkleid.
Kimonos Herren: Materialien von Seide bis Polyester
Der Stoff bestimmt beim Männerkimono den Formalitätsgrad, den Tragekomfort und den Pflegeaufwand. In Japan wird traditionell nach Faser, Webart und Färbeverfahren unterschieden.
Seide beim Kimono Mann: Chirimen, Rinzu, Tsumugi und Ro
Chirimen ist ein feiner Krepp mit gekörnter Oberfläche, Rinzu ein glatter Damast mit eingewebtem Muster. Beide werden nach dem Weben gefärbt und gelten als formell. Tsumugi wird aus vorgefärbten Fäden gewebt, fühlt sich fester an und wird mit den Jahren weicher. Ro und Sha sind durchbrochene Sommerseiden mit sichtbaren Lücken im Gewebe, durch die Luft zirkuliert.
Baumwolle, Leinen und Hanf beim Männer Kimono
Baumwolle (Momen) kam im 16. Jahrhundert nach Japan und wurde zum Standardstoff für Alltag und Yukata. Sie ist waschbar, saugfähig und knittert. Leinen und Hanf (Asa) sind die klassischen Sommerfasern: kühl, steif und schnell trocknend. Sie zeigen deutliche Knitterfalten, die in Japan als Merkmal des Materials akzeptiert werden.
Wolle und Polyester beim Herren Kimono
Wollkimonos verbreiteten sich ab der Meiji-Zeit als warme Alltagskleidung und werden meist ungefüttert genäht. Polyester ist seit den 1970er-Jahren als pflegeleichte Alternative etabliert; moderne Polyesterstoffe imitieren Chirimen und Ro optisch, sind waschmaschinenfest, speichern aber Wärme und nehmen Schweiß kaum auf.
Kimono Männer: Farben und Muster
Der männliche Kimono ist traditionell dezent. Übliche Grundfarben sind Schwarz, Anthrazit, Grau, Dunkelblau, Dunkelgrün, Braun, Beige und Ocker. Muster sind klein und geometrisch: feine Streifen (Shima), Karos (Kōshi), Punktraster (Komon) oder unregelmäßige Ikat-Muster (Kasuri). Große Bildmotive wie Drachen, Tiger oder Karpfen kommen auf traditionellen Kimonos nur als Futterstoff oder auf dem Haori-Innenfutter vor; auf der Außenseite finden sie sich vor allem bei westlichen Kimono-Interpretationen und bei Bühnenkostümen.
Beim Yukata dürfen die Muster kräftiger sein: Indigoblau mit weißen Motiven, Wellen, Bambus, Libellen oder Schriftzeichen. Für Jinbei und Samue sind unifarbene Stoffe oder klassische Kasuri-Muster üblich.
Kimono Herren Größentabelle in cm
Konfektionierte Herrenkimonos werden in Japan meist in den Größen S, M, L und LL angeboten und richten sich in erster Linie nach der Körpergröße. Die Ärmelweite und die Körperbreite sind für den Sitz weniger kritisch als die Länge, weil der Überschlag Spielraum bietet. Die folgenden Werte sind typische Richtwerte, die je nach Hersteller um einige Zentimeter abweichen.
| Größe | Körpergröße | Kimonolänge (Mitake) | Yuki (Rückenmitte bis Handgelenk) | Ärmellänge | Empfohlener Hüftumfang |
|---|---|---|---|---|---|
| S | 158–165 cm | 133–138 cm | 66–68 cm | 48–49 cm | bis 90 cm |
| M | 165–172 cm | 139–143 cm | 69–71 cm | 49–50 cm | bis 96 cm |
| L | 172–178 cm | 144–148 cm | 72–74 cm | 50–51 cm | bis 102 cm |
| LL | 178–185 cm | 149–153 cm | 75–77 cm | 51–53 cm | bis 110 cm |
| 3L | 185–192 cm | 154–158 cm | 78–80 cm | 53–55 cm | bis 120 cm |
Wer zwischen zwei Größen liegt, wählt beim Kimono die längere, weil ein zu kurzer Saum sichtbar unpassend wirkt, während ein leicht zu langer Kimono durch einen etwas tieferen Sitz des Obi ausgeglichen werden kann. Bei westlichen Kimonojacken und Bademänteln gelten dagegen die üblichen Konfektionsgrößen S bis XXL nach Brustumfang.
Kimono für Männer anziehen: Schritt für Schritt
Das Anziehen eines Herrenkimonos ist einfacher als bei Frauen, weil Längenfalte und Hilfsgürtel entfallen. Die Reihenfolge ist trotzdem festgelegt.
- Tabi anziehen, solange der Körper noch beweglich ist und keine Schichten stören.
- Hadajuban und Suteteko (leichte Unterhose) anlegen; sie nehmen Schweiß auf und schützen den Kimono.
- Nagajuban überziehen, linke Seite über rechte, mit einem schmalen Band (Koshihimo) auf Hüfthöhe fixieren. Der Kragen liegt eng am Hals.
- Kimono überziehen und die Rückennaht mittig auf die Wirbelsäule ausrichten.
- Rechte Vorderseite zur linken Hüfte führen, dann die linke Vorderseite darüberlegen. Der Kimono-Kragen liegt so, dass der Nagajuban-Kragen etwa 1 cm sichtbar bleibt.
- Mit einem zweiten Koshihimo auf Höhe des Hüftknochens sichern und Falten nach hinten zu den Seiten streichen.
- Kaku-Obi zwei- bis dreimal um die Hüfte wickeln, deutlich unterhalb des Bauchnabels, und mit dem Kai-no-kuchi-Knoten hinten schließen.
- Bei Bedarf Haori überziehen und die Haori-Kordel vor der Brust verknoten; Hakama zuletzt anlegen.
Ein Männerkimono sitzt bewusst locker: Die Brust darf leicht eingefallen wirken, der Obi liegt unter dem Bauch, der Kragen ist geschlossen. Straff gezogen und hoch gegürtet wirkt das Gewand feminin oder wie ein Bademantel.
Männer Kimonos und ihr Obi: Kaku-Obi und Heko-Obi
Der Herrengürtel ist wesentlich schmaler als der Damen-Obi und wird ohne Kissen oder Stützbänder gebunden. Eine Übersicht über Gürteltypen für alle Kimonoformen enthält die Sammlung Kimono Gürtel.
Der Kaku-Obi ist ein fester, meist doppellagiger Gürtel von 9 bis 10 cm Breite und rund 400 cm Länge aus Seide, Baumwolle oder Polyester. Er gehört zu allen Anlässen vom Alltag bis zur Zeremonie und wird mit dem Kai-no-kuchi („Muschelmaul“) oder dem Kata-basami-Knoten geschlossen. Der Knoten sitzt leicht seitlich versetzt am Rücken.
Der Heko-Obi ist ein weicher, 50 bis 70 cm breiter Schal aus Seide oder Baumwolle, der lose um die Hüfte gewickelt und hinten zu einer Schleife gebunden wird. Er gilt als Hausgürtel und ist zum Yukata und zum entspannten Tragen zu Hause üblich, nicht aber zu formellen Anlässen.
Zubehör zum Kimono: Nagajuban, Tabi, Zōri, Geta und Haori-himo
Ein traditionelles Herrenoutfit besteht aus mehreren Schichten und einigen Kleinteilen, die von außen kaum sichtbar sind, aber den Sitz des Gewands bestimmen. Ohne Nagajuban rutscht der Kragen, ohne Koshihimo öffnet sich der Überschlag beim Gehen, und ohne Tabi gelten Zōri als unvollständig. Die folgende Liste nennt die Teile in der Reihenfolge, in der sie angelegt werden.
- Nagajuban: Unterkimono aus Seide, Baumwolle oder Polyester mit auswechselbarem Kragenband (Han-eri). Schützt den Oberkimono vor Hautkontakt und Schweiß.
- Hadajuban und Suteteko: Unterhemd und knielange Unterhose aus Baumwolle oder Leinen.
- Koshihimo: Zwei bis drei schmale Bindebänder aus Baumwolle oder Musselin, die Nagajuban und Kimono fixieren.
- Tabi: Socken mit abgeteiltem großen Zeh, weiß zu formellen Anlässen, farbig oder gemustert zur Freizeit.
- Zōri und Geta: Sandalen mit Zehenriemen; Zōri aus Stroh, Leder oder Vinyl zum Kimono, Geta aus Holz zum Yukata.
- Haori-himo: Geflochtene oder geknüpfte Kordel, die die Haori-Jacke vor der Brust zusammenhält.
- Sensu: Faltfächer, der im Obi getragen wird und zu formellen Anlässen dazugehört.
Kimonos für Männer nach Jahreszeit: Awase, Hitoe und Usumono
Der japanische Kimonokalender teilt das Jahr nach Futter und Gewebedichte ein. Diese Regeln gelten für Männer und Frauen gleichermaßen und werden bei formellen Anlässen erwartet, während im Alltag nach Wetter entschieden wird.
- Awase (gefüttert): Oktober bis Mai. Ein zweiter Stoff aus Seide oder Baumwolle ist innen eingenäht; die Ärmel sind doppellagig.
- Hitoe (ungefüttert): Juni und September. Der gleiche Stoff wie beim Awase, aber ohne Futter, Nähte innen versäubert.
- Usumono (dünn und durchscheinend): Juli und August. Ro, Sha oder Hanfgewebe mit offener Struktur, darunter ein Sommer-Nagajuban.
Für den Winter kommen gefütterte Haori, ein Mantel in Kimonoform (Tonbi oder Inverness) und wattierte Hauskimonos wie Tanzen oder Dotera hinzu. Ein Überblick über leichte Modelle für die warme Jahreszeit findet sich unter Sommer Kimono.
Anlässe für Kimonos Herren
Welcher Kimono passt, ergibt sich aus der Kombination von Stoff, Wappen und Beikleidung. Die folgende Zuordnung entspricht den in Japan üblichen Konventionen.
- Hochzeit als Bräutigam oder als naher Verwandter: Kuro-Montsuki mit Haori und Hakama.
- Hochzeit als Gast, Neujahr, Schreinbesuch: Iro-Montsuki oder Omeshi mit Haori, wahlweise mit Hakama.
- Teezeremonie: gedeckter Seidenkimono ohne auffällige Muster, häufig mit Hakama; Uhren und Ringe werden abgelegt.
- Theaterbesuch, Restaurant, Stadtbummel: Tsumugi, Wolle oder Baumwolle mit Haori.
- Sommerfest, Feuerwerk, Onsen: Yukata mit Heko- oder Kaku-Obi und Geta.
- Kampfkunst, Kalligrafie, Bogenschießen: Kimono oder Keikogi mit Hakama.
- Zu Hause und im Garten: Samue, Jinbei oder Baumwollkimono.
Kimonos Herren modern: Kimonojacke, Bademantel und Haori
Außerhalb Japans wird der Männerkimono selten vollständig traditionell getragen. Verbreitet sind stattdessen drei Formen. Erstens die Kimonojacke: ein hüft- oder oberschenkellanger Überwurf mit weiten, geraden Ärmeln, offen oder mit Bindeband getragen, aus Baumwolle, Leinen oder Viskose, häufig über T-Shirt und Jeans. Zweitens der Kimono-Bademantel oder Morgenmantel: ein knielanger bis wadenlanger Wickelmantel aus Baumwollfrottee, Waffelpiqué, Satin oder Seide mit angenähtem Gürtel. Drittens der Haori als Übergangsjacke, der ohne Kimono darunter über westlicher Kleidung getragen wird.
Alle drei Formen übernehmen den Überschlag und die T-Silhouette, nutzen aber Konfektionsgrößen, Taschen und teils Knöpfe. Wer die Wirkung eines traditionellen Gewands sucht, sollte auf durchgehende Rückennaht, eckige Ärmel ohne Bündchen und einen separaten Gürtel achten.
Kimono Herren kurz oder lang?
Die Länge entscheidet über Charakter und Einsatz. Ein knöchellanger Kimono ist das traditionelle Gewand; er verlangt Unterkimono, Tabi und Sandalen und schränkt große Schritte ein. Ein kurzer Herrenkimono, also Haori, Kimonojacke oder Happi, endet zwischen Hüfte und Knie, lässt sich über Hose tragen und funktioniert als Jacke oder Hemd. Dazwischen liegen knielange Bademäntel und Hauskimonos. Für Reisen, Festivals und den Alltag ist die kurze Variante praktischer; für Zeremonien, Fotoaufnahmen und traditionelle Anlässe kommt nur die lange Form infrage.
Kimono Herren richtig pflegen und reinigen
Die richtige Pflege richtet sich nach dem Material. Seidenkimonos werden in Japan traditionell aufgetrennt, in Bahnen gewaschen, auf Brettern getrocknet und neu genäht (Arai-hari); außerhalb Japans bleibt nur die chemische Reinigung. Baumwolle, Leinen und Polyester lassen sich zu Hause waschen.
Pflegecheckliste für den Kimono nach dem Tragen
- Kimono nach dem Ausziehen für einige Stunden auf einem breiten Kimonobügel (Emonkake) aushängen, damit Feuchtigkeit entweicht.
- Flecken sofort mit einem trockenen, weißen Tuch abtupfen, nicht reiben; bei Seide keine Feuchtigkeit anwenden.
- Baumwolle und Leinen: Handwäsche oder Schonprogramm bei 30 °C, Feinwaschmittel, kein Weichspüler, nicht schleudern, in Form gezogen liegend oder auf dem Bügel trocknen.
- Polyester: Schonprogramm bei 30 °C im Wäschenetz, tropfnass aufhängen, nicht in den Trockner.
- Wolle: Handwäsche kalt mit Wollwaschmittel oder Reinigung, liegend trocknen.
- Bügeln auf niedriger Stufe mit einem Baumwolltuch dazwischen, Seide nur von links.
- Kragenband des Nagajuban regelmäßig abtrennen und separat waschen.
Kimono Mann aufbewahren und falten
Ein Kimono wird niemals hängend aufbewahrt, sondern nach der Hondatami-Methode entlang der Nähte flach gefaltet: erst die Vorderblenden nach innen, dann die Seitennähte aufeinander, die Ärmel nach innen, schließlich die Länge in zwei oder drei Teile. So bleiben die Bruchkanten auf den Nähten und der Stoff bekommt keine Querfalten. Gefaltet ruht das Gewand in Tatōshi, einem atmungsaktiven Papierumschlag, in einer Kommode aus Paulownia-Holz oder in einer Stoffbox. Zwei- bis dreimal jährlich, in Japan traditionell im Juli und im Herbst, wird der Kimono für einige Stunden an einem trockenen, schattigen Tag ausgelüftet. Mottenschutz aus Kampfer oder Zedernholz wird nicht direkt auf den Stoff gelegt.
Kimono Herren auswählen: objektive Kriterien
Die folgenden Punkte helfen, ein Modell objektiv zu bewerten, unabhängig davon, ob ein traditioneller Nagagi oder eine westliche Interpretation gesucht wird.
- Verwendungszweck: Zeremonie, Sommerfest, Haus oder Straße bestimmen Länge, Stoff und Farbe.
- Körpergröße statt Konfektionsgröße: Bei traditionellen Kimonos ist die Gesamtlänge das entscheidende Maß.
- Stoffzusammensetzung: Reine Seide, Baumwolle und Leinen atmen; Polyester ist pflegeleicht, aber wärmer.
- Futter: Gefüttert für Herbst bis Frühjahr, ungefüttert für Sommer.
- Nähte und Rückennaht: Eine durchgehende Rückennaht und gerade Seitennähte zeigen eine traditionelle Konstruktion.
- Ärmelform: Eckige, angenähte Ärmel sind typisch für Herren; runde, lose Ärmel stammen vom Damenschnitt.
- Gürtel: Kaku-Obi für Straße und Zeremonie, Heko-Obi oder angenähter Gürtel für zu Hause.
- Pflege: Wer nicht chemisch reinigen lassen möchte, wählt Baumwolle, Leinen oder waschbares Polyester.
Glossar: Fachbegriffe rund um den Kimono
- Nagagi: Das knöchellange Kimonogewand im engeren Sinne.
- Kosode: Historische Bezeichnung für den Kimono mit kleinen Ärmelöffnungen.
- Tanmono: Stoffballen von etwa 36 bis 40 cm Breite und 11 bis 12 m Länge für einen Kimono.
- Sode: Ärmel; Sodetake ist die Ärmellänge.
- Yuki: Maß von der Rückenmitte bis zum Handgelenk.
- Mitake: Gesamtlänge des Kimonos von der Schulter bis zum Saum.
- Eri: Kragen; Han-eri ist das auswechselbare Kragenband des Nagajuban.
- Okumi: Vorderblende, die den Überschlag verbreitert.
- Ningyō: Kleine Ärmelöffnung unter der Achsel beim Herrenkimono.
- Obi: Gürtel; Kaku-Obi ist die feste, Heko-Obi die weiche Variante für Männer.
- Kai-no-kuchi: Standardknoten für den Kaku-Obi.
- Mon / Kamon: Familienwappen, in ein, drei oder fünf Exemplaren aufgebracht.
- Montsuki: Kimono mit Wappen; Kuro-Montsuki ist die schwarze, formellste Ausführung.
- Tsumugi: Handgesponnene, festere Seide für den Alltag.
- Chirimen: Seidenkrepp mit gekörnter Oberfläche.
- Ro / Sha: Durchbrochene Sommergewebe.
- Awase / Hitoe / Usumono: Gefütterter, ungefütterter und durchscheinender Kimono nach Jahreszeit.
- Nagajuban: Unterkimono; Hadajuban: Unterhemd.
- Koshihimo: Schmales Bindeband zum Fixieren der Schichten.
- Haori: Kimonojacke; Haori-himo: ihre Verschlusskordel.
- Hakama: Weiter Hosenrock mit sieben Falten.
- Tabi: Zehensocken; Zōri und Geta: Sandalen.
- Tatōshi: Papierhülle zur Aufbewahrung.
- Hondatami: Standardfaltung entlang der Nähte.
Häufige Fragen zu Kimono Herren
Welche Seite liegt beim Kimono für Herren oben?
Immer die linke Vorderseite über der rechten, aus Sicht des Trägers. Der Überschlag öffnet sich damit nach rechts, sodass die rechte Hand hineingreifen kann. Die umgekehrte Reihenfolge, rechts über links, wird in Japan ausschließlich beim Ankleiden Verstorbener verwendet und gilt im Alltag als grober Fehler. Diese Regel gilt für Kimono, Yukata, Nagajuban und ebenso für Jinbei und Samue.
Wie lang muss ein Kimono für Männer sein?
Der Saum eines traditionellen Herrenkimonos endet auf Höhe des Knöchels, weil keine Längenfalte gebildet wird. Als Faustregel gilt Körpergröße minus 25 bis 30 cm; ein 175 cm großer Mann trägt also etwa 145 bis 150 cm Kimonolänge. Ein Yukata darf ein bis zwei Zentimeter kürzer sein. Bei Kimonojacken und Bademänteln ist die Länge frei wählbar.
Können Kimonos für Männer in der Waschmaschine gewaschen werden?
Nur wenn sie aus Baumwolle, Leinen oder Polyester bestehen. Dann ist ein Schonprogramm bei 30 °C mit Feinwaschmittel, ohne Schleudern und im Wäschenetz geeignet. Seidenkimonos, Wollkimonos mit Futter und alle Wappenkimonos gehören in die chemische Reinigung. Ein Nagajuban aus Polyester ist waschbar, sein Seidenkragenband wird vorher abgetrennt.
Was ist der Unterschied zwischen Kimono und Yukata beim Mann?
Der Yukata ist ein ungefütterter Baumwollkimono, der ohne Nagajuban und ohne Tabi direkt auf der Haut getragen wird. Er gehört in den Sommer und zu informellen Anlässen. Ein Kimono im engeren Sinn besteht aus Seide, Wolle oder feiner Baumwolle, wird über einem Unterkimono getragen, ist je nach Jahreszeit gefüttert und deckt alle Formalitätsstufen bis zur Zeremonie ab.
Welcher Obi passt zu einem Kimono Herren?
Für Straße, Feier und Zeremonie ist der 9 bis 10 cm breite Kaku-Obi vorgesehen, geknotet mit dem Kai-no-kuchi. Zu Hause und zum Yukata ist der weiche, breite Heko-Obi üblich. Beide werden tief auf der Hüfte getragen, unterhalb des Bauchnabels. Damen-Obis, Obi-Kissen und Zierkordeln gehören nicht zur Herrenkleidung.
Dürfen Männer außerhalb Japans einen Kimono tragen?
In Japan wird es überwiegend positiv aufgenommen, wenn Ausländer den Kimono korrekt tragen, insbesondere Yukata in Ferienorten und bei Sommerfesten. Entscheidend ist die richtige Trageweise: linke Seite oben, Obi auf der Hüfte, passende Länge. Als Kostüm mit fremden Symbolen kombiniert oder falsch geschlossen wird das Gewand dagegen als respektlos empfunden.
Wie werden Männer Kimonos gefaltet?
Nach der Hondatami-Methode: Der Kimono liegt mit dem Kragen nach links flach, die vordere Blende wird an der Naht nach innen geklappt, die gegenüberliegende Seitennaht darübergelegt, die Ärmel werden auf den Körper gefaltet und die Länge halbiert oder gedrittelt. Alle Knicke laufen entlang bestehender Nähte, wodurch der Stoff keine neuen Bruchlinien erhält.
Welche Farben sind für Kimono Männer üblich?
Traditionell dominieren Schwarz, Grau, Dunkelblau, Braun, Dunkelgrün und Beige mit kleinen Mustern wie Streifen oder Karos. Kräftige Farben und große Motive erscheinen auf dem Futter, dem Haori-Innenfutter oder auf Yukata. Für westliche Kimonojacken und Bademäntel gibt es keine Konvention; dort sind auch Bordeaux, Weiß oder gemusterte Stoffe verbreitet.
Zusammenfassung: der Kimono für den Mann
Ein Kimono Herren ist ein aus geraden Stoffbahnen genähtes, knöchellanges Wickelgewand mit angenähten Ärmeln, das auf die Körpergröße abgestimmt, links über rechts geschlossen und mit einem schmalen Obi tief auf der Hüfte gehalten wird. Stoff, Wappen, Futter und Beikleidung legen fest, ob er zur Zeremonie, zum Ausgehen oder zu Hause getragen wird. Yukata, Haori, Jinbei, Samue und Hakama sind eigenständige Kleidungsstücke, die den Kimono ergänzen oder in bestimmten Situationen ersetzen. Wer Größe nach Körperlänge wählt, das Material zum Anlass passend aussucht und die Pflegeregeln des Stoffs beachtet, kann einen Herrenkimono über Jahrzehnte tragen.














































































































































































































