Was ist ein Kimono? Ein Kimono (着物) ist das traditionelle Gewand Japans: ein knöchellanges, T-förmig geschnittenes Kleidungsstück mit geraden Nähten und weiten Ärmeln, das links über rechts gewickelt und mit einem breiten Gürtel, dem Obi, geschlossen wird. Wörtlich bedeutet das Wort schlicht „Ding zum Anziehen“. Heute tragen die meisten Menschen in Japan den Kimono vor allem zu Festen, Zeremonien und besonderen Anlässen.
Hinter dieser kurzen Definition steckt eine über tausendjährige Geschichte, eine eigene Fachsprache für jedes Detail und ein fein abgestuftes System aus Formen, Farben und Anlässen. Dieser Beitrag erklärt, was das Wort bedeutet, wie der Kimono entstanden ist, wie er aufgebaut ist, welche Arten es gibt, was ein Kimono in Japan ungefähr kostet und was man in Europa unter einem Kimono versteht.

Inhalt
- Was bedeutet Kimono? Herkunft des Wortes
- Was ist ein Kimono historisch? Von der Heian-Zeit bis heute
- Wie sieht ein Kimono aus? Aufbau und Einzelteile
- Was ist ein Kimono für welchen Anlass? Die Kimono-Arten
- Stoffe und Jahreszeiten beim Kimono
- Was kostet ein Kimono in Japan?
- Was ist ein Kimono in Europa? Jacke, Morgenmantel, Bademantel
- FAQ: Häufige Fragen – was ist ein Kimono?
Was bedeutet Kimono? Herkunft des Wortes
Das Wort Kimono setzt sich aus zwei Schriftzeichen zusammen: 着 (ki, vom Verb kiru, „anziehen, tragen“) und 物 (mono, „Ding, Sache“). Wer fragt, was ist Kimono im ursprünglichen Sinn, erhält also eine erstaunlich nüchterne Antwort: ein „Ding zum Anziehen“ – im Grunde einfach „Kleidung“.
Tatsächlich war kimono lange ein allgemeines Wort für Kleidung. Die heutige, engere Bedeutung entstand erst, als im 19. Jahrhundert westliche Mode nach Japan kam. Seitdem unterscheidet man:
- Wafuku (和服) – japanische Kleidung, zu der der Kimono gehört,
- Yōfuku (洋服) – westliche Kleidung wie Anzug, Hemd oder Kleid.
Im Alltag verwenden viele Japanerinnen und Japaner die Begriffe Kimono und Wafuku nahezu gleichbedeutend. Im Deutschen hat sich das Wort Kimono dagegen weit über das japanische Gewand hinaus verbreitet – dazu mehr im Abschnitt über den Kimono in Europa.
Was ist ein Kimono historisch? Von der Heian-Zeit bis heute
Der Kimono ist nicht auf einmal entstanden, sondern hat sich über viele Jahrhunderte aus einem unscheinbaren Untergewand entwickelt. Die wichtigste Vorform heißt Kosode (小袖), wörtlich „kleiner Ärmel“ – gemeint ist die kleine Handöffnung, nicht die Länge des Ärmels.
Heian-Zeit: das Kosode als Untergewand
In der Heian-Zeit (794–1185) trugen Damen am Kaiserhof aufwendige Lagen aus weitärmeligen Gewändern, bekannt als jūnihitoe („zwölf Lagen“). Das Kosode lag dabei als schlichtes Untergewand direkt am Körper. Einfache Leute trugen ähnliche Gewänder aus Hanf oder anderen Bastfasern als Alltagskleidung.
Kamakura- und Muromachi-Zeit: das Kosode wird Obergewand
Mit dem Aufstieg der Kriegerschicht wurde die Kleidung schlichter. Das Kosode wanderte schrittweise von innen nach außen und wurde zum eigenständigen Obergewand, zunächst mit einem schmalen Gürtel.
Edo-Zeit: Blüte der Muster und Färbetechniken
In der Edo-Zeit (1603–1868) erreichte das Kosode seine klassische Form. Wohlhabende Kaufleute in Städten wie Edo, Kyōto und Ōsaka investierten in prachtvolle Gewänder, obwohl Luxusgesetze bestimmte Stoffe und Farben einschränkten. Es entstanden verfeinerte Färbetechniken wie das Yūzen-Färben, und der Obi wurde deutlich breiter und dekorativer.
Meiji-Zeit: der Kimono wird „traditionell“
Ab der Meiji-Zeit (1868–1912) öffnete sich Japan dem Westen. Beamte, Militär und Hof übernahmen westliche Kleidung. Gerade dadurch bekam der Kimono seine heutige Bedeutung als „japanisches“ Gewand im Gegensatz zur westlichen Mode. Im Alltag vieler Menschen blieb er aber noch jahrzehntelang üblich.
20. Jahrhundert bis heute
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich westliche Kleidung im Alltag weitgehend durch. Heute ist der Kimono vor allem Festtags- und Zeremonialkleidung: zum Tag der Volljährigkeit (Seijin no Hi), zu Hochzeiten, zum Kinderfest Shichi-Go-San, bei der Teezeremonie oder im Theater. Im Sommer ist der leichte Yukata auf Feuerwerken und Festen weiterhin sehr verbreitet.
| Epoche | Zeitraum | Entwicklung |
|---|---|---|
| Heian-Zeit | 794–1185 | Höfische Lagenkleidung; das Kosode dient als Untergewand |
| Kamakura-/Muromachi-Zeit | 1185–1573 | Das Kosode wird zum eigenständigen Obergewand |
| Azuchi-Momoyama-Zeit | 1573–1603 | Kräftigere Farben und größere Muster setzen sich durch |
| Edo-Zeit | 1603–1868 | Klassische Form, Yūzen-Färbung, breiter Obi, Kaufleute als Auftraggeber |
| Meiji-Zeit | 1868–1912 | Westliche Kleidung kommt; „Kimono“ wird zum Begriff für japanische Tracht |
| Taishō-/frühe Shōwa-Zeit | 1912–1945 | Moderne Muster, preiswertere Seidenstoffe wie Meisen |
| Nachkriegszeit bis heute | ab 1945 | Kimono vor allem für Feste und Zeremonien; Yukata im Sommer |
Wie sieht ein Kimono aus? Aufbau und Einzelteile
Wer wissen möchte, wie sieht ein Kimono aus, erkennt ihn an seiner geraden, flächigen Silhouette. Ein klassischer Kimono wird aus einer einzigen Stoffbahn, dem Tanmono, zugeschnitten. Diese Bahn ist meist rund 12 bis 13 Meter lang und etwa 36 bis 40 Zentimeter breit. Sie wird fast ohne Verschnitt in gerade Rechtecke geteilt, die anschließend zusammengenäht werden. Dadurch lässt sich ein Kimono auch wieder auftrennen, reinigen und neu nähen.

Die wichtigsten Teile
- Migoro (身頃) – die Körperteile vorne (maemigoro) und hinten (ushiromigoro).
- Sode (袖) – die Ärmel; der herabhängende, taschenartige Teil heißt Tamoto.
- Okumi (衽) – der schmale Einsatz an der Vorderseite, der das Überlappen ermöglicht.
- Eri (襟) – der Kragen, der vom Nacken bis weit nach unten verläuft.
- Suso (裾) – der Saum.
- Obi (帯) – der Gürtel, bei Frauen oft breit und kunstvoll gebunden, bei Männern schmaler.
Zubehör und Unterkleidung
Zum vollständigen Kimono gehören weitere Teile: der Nagajuban als Untergewand mit auswechselbarem Kragen (Han-eri), das Obiage (Tuch über dem Obi), das Obijime (Kordel, die den Obi hält), weiße Socken mit abgeteiltem großem Zeh (Tabi) sowie Sandalen wie Zōri oder Geta. Darüber kann eine kurze Jacke, der Haori, getragen werden.
Links über rechts
Eine feste Regel gilt für alle: Die linke Vorderseite liegt über der rechten. Die umgekehrte Wickelung ist traditionell Verstorbenen vorbehalten. Wie Sie einen Kimono korrekt anlegen und den Obi binden, erklärt unser Beitrag Kimono richtig tragen und binden.
Was ist ein Kimono für welchen Anlass? Die Kimono-Arten
Welcher Kimono passt zu welcher Gelegenheit? Die Antwort hängt von Ärmellänge, Musteranordnung, Farbe und der Zahl der Familienwappen (Kamon) ab. Grob gilt: Je mehr Wappen und je aufwendiger das Muster über die Nähte läuft, desto formeller ist das Gewand.
Formelle Kimono-Arten für Frauen
- Furisode (振袖) – „schwingende Ärmel“, die bis fast zum Boden reichen können; der formellste Kimono für junge, meist unverheiratete Frauen.
- Tomesode (留袖) – kurze Ärmel, Muster nur unterhalb der Taille. Der schwarze Kuro-Tomesode mit fünf Wappen wird vor allem von verheirateten Frauen getragen, etwa von der Mutter des Brautpaares.
- Hōmongi (訪問着) – „Besuchskleid“; das Muster läuft über Nähte und Schultern hinweg.
- Tsukesage (付け下げ) – ähnlich dem Hōmongi, aber mit zurückhaltenderem Muster.
- Iromuji (色無地) – einfarbig ohne Muster, beliebt bei der Teezeremonie.
Alltags- und Sommerkleidung
- Komon (小紋) – kleines, sich wiederholendes Muster am ganzen Gewand; eher informell, etwa für Ausflüge oder Essen mit Freunden.
- Yukata (浴衣) – ungefütterter Baumwoll-Kimono für den Sommer, für Feste und nach dem Bad. Worin er sich genau unterscheidet, zeigt der Beitrag Yukata oder Kimono: der Unterschied. Moderne Varianten finden Sie in der Kategorie Yukata.
Besondere Kimono
Für Hochzeiten gibt es den rein weißen Shiromuku und den farbenprächtigen Überwurf Uchikake. Zur Trauer trägt man den schwarzen Mofuku ohne Muster. Männer tragen zu formellen Anlässen einen dunklen Kimono mit Wappen, den Montsuki, zusammen mit Haori und Hosenrock (Hakama).
| Kimono-Art | Typische Anlässe | Getragen von | Formalität |
|---|---|---|---|
| Furisode | Tag der Volljährigkeit, Hochzeiten von Freunden, Abschlussfeiern | junge, meist unverheiratete Frauen | sehr hoch |
| Kuro-Tomesode | Hochzeit naher Verwandter | verheiratete Frauen | sehr hoch |
| Iro-Tomesode | Hochzeiten, offizielle Feiern | Frauen unabhängig vom Familienstand | hoch |
| Hōmongi | Empfänge, Hochzeitsgäste, Teezeremonie | Frauen | mittel bis hoch |
| Tsukesage | Besuche, Feiern, Theater | Frauen | mittel |
| Iromuji | Teezeremonie, je nach Wappen auch formell | Frauen | mittel |
| Komon | Ausflüge, Essen, Alltag | Frauen | niedrig |
| Montsuki mit Hakama | Hochzeiten, Zeremonien | Männer | sehr hoch |
| Mofuku | Beerdigungen | Frauen und Männer | formell (Trauer) |
| Yukata | Sommerfeste, Feuerwerk, Ryokan | alle | sehr niedrig |
Stoffe und Jahreszeiten beim Kimono
Traditionell besteht ein hochwertiger Kimono aus Seide. Doch Material und Machart richten sich auch nach dem Anlass und vor allem nach der Jahreszeit.
Typische Materialien
- Seide – etwa als Kreppseide Chirimen mit feiner, körniger Oberfläche, als Seidendamast Rinzu oder als robuste Rohseide Tsumugi, die eher als Freizeitstoff gilt.
- Baumwolle – vor allem für Yukata und einfache Alltagskimono.
- Hanf und Leinen (Asa) – luftige Stoffe für den Hochsommer.
- Wolle – im 20. Jahrhundert für den Alltag verbreitet.
- Polyester – moderne, waschbare Kimono, die pflegeleicht und günstiger sind.
Kimono nach Jahreszeit
Das Tragen folgt einem Jahreskalender, der vor allem bei formeller Kleidung beachtet wird:
- Awase (袷) – gefütterter Kimono, üblich etwa von Oktober bis Mai.
- Hitoe (単衣) – ungefütterter Kimono für die Übergangsmonate Juni und September.
- Usumono (薄物) – sehr dünne, teils durchscheinende Stoffe für Juli und August.
Auch Motive folgen oft den Jahreszeiten: Kirschblüten im Frühling, Wellen und Libellen im Sommer, Ahornblätter im Herbst, Kiefern oder Pflaumenblüten im Winter.

Was kostet ein Kimono in Japan?
Die Frage, was kostet ein Kimono in Japan, lässt sich nur mit großen Spannen beantworten. Entscheidend sind Material, Handarbeit, Färbetechnik, Herkunft und ob das Gewand neu, gebraucht oder gemietet ist. Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte und schwanken je nach Geschäft, Region und Zeitpunkt deutlich.
| Art | Neu (Richtwert) | Gebraucht oder gemietet (Richtwert) |
|---|---|---|
| Yukata aus Baumwolle | ca. 5.000 bis 30.000 Yen, oft inklusive Obi | Leihe für Touristen ab wenigen tausend Yen pro Tag |
| Waschbarer Kimono aus Polyester | ca. 20.000 bis 80.000 Yen | Gebraucht teils unter 5.000 Yen |
| Seidenkimono (Komon, Iromuji) | ab etwa 100.000 Yen, oft deutlich mehr | Secondhand oft wenige tausend bis zehntausende Yen |
| Hōmongi, Tomesode | mehrere hunderttausend Yen | Leihe je nach Qualität im mittleren fünf- bis sechsstelligen Yen-Bereich |
| Furisode (komplettes Set) | mehrere hunderttausend bis über eine Million Yen | Leihe zum Volljährigkeitstag häufig im sechsstelligen Yen-Bereich |
Hinzu kommen oft Kosten für Obi, Untergewand, Zubehör und das professionelle Ankleiden (Kitsuke), bei formellen Anlässen auch für Frisur und Make-up. Weil neue Seidenkimono teuer sind, spielen in Japan Mietservices und Secondhand-Läden eine große Rolle. In Touristenorten wie Kyōto gibt es zudem Leihangebote für einen Tag, meist mit einfacheren Kimono oder Yukata und Hilfe beim Anziehen.
Was ist ein Kimono in Europa? Jacke, Morgenmantel, Bademantel
Schon im 19. Jahrhundert, in der Zeit des Japonismus, weckten japanische Stoffe und Gewänder in Europa großes Interesse. Kimono wurden gesammelt, als Hausmantel getragen und inspirierten Modeschöpfer. Seitdem steht das Wort im Deutschen nicht nur für das japanische Gewand, sondern auch für einen Schnitt: gerade Linien, Wickelform, weite oder angeschnittene Ärmel.
Der Kimono als Schnittform
- Kimono-Jacke – eine offene, leichte Jacke mit weiten Ärmeln, oft aus Viskose, Baumwolle oder Satin, getragen über Top und Jeans oder am Strand. Beispiele zeigt die Kategorie Kimono-Jacken für Damen.
- Kimono-Ärmel – ein Schnittbegriff für Ärmel, die ohne eingesetzte Naht direkt aus dem Vorderteil hervorgehen, etwa bei Pullovern oder Blusen.
- Kimono-Morgenmantel – ein leichter Wickelmantel für zu Hause, häufig aus Satin, Seide oder Baumwolle, siehe Kimono-Morgenmäntel.
Was ist ein Kimono-Bademantel?
Was ist ein Kimono-Bademantel? Gemeint ist ein Bademantel im Kimonoschnitt: ohne Kapuze und ohne klassischen Schalkragen, stattdessen mit geradem, flach anliegendem Kragenband, weiten Ärmeln und Bindegürtel. Solche Modelle bestehen oft aus Waffelpiqué, dünnem Frottee oder Baumwolle und sind leichter als ein klassischer Bademantel. Sie werden gern in Sauna, Spa oder Hotel getragen, zum Beispiel als Kimono-Bademantel für Damen.
Kimono im Kampfsport
Im deutschen Sprachgebrauch wird auch die Trainingskleidung im Judo oder Karate oft „Kimono“ genannt. In Japan heißt sie jedoch Keikogi oder kurz Gi (Judogi, Karategi) und gehört nicht zum Kimono im engeren Sinn.
Wer sich für das Original interessiert, findet in der Kategorie Japanischer Kimono Modelle im traditionellen Stil. Weitere Gewänder wie Hakama, Haori oder Jinbei gehören ebenfalls zur traditionellen japanischen Kleidung.

FAQ: Häufige Fragen – was ist ein Kimono?
Was ist ein Kimono in einfachen Worten?
Ein Kimono ist ein langes, gerade geschnittenes japanisches Gewand mit weiten Ärmeln, das um den Körper gewickelt und mit einem Obi geschlossen wird. Das Wort bedeutet wörtlich „Ding zum Anziehen“.
Was bedeutet Kimono auf Deutsch?
Wörtlich übersetzt bedeutet Kimono „Ding zum Anziehen“ oder einfach „Kleidung“. Im Deutschen bezeichnet das Wort sowohl das japanische Gewand als auch Jacken, Morgenmäntel und Bademäntel im Kimonoschnitt.
Wie sieht ein Kimono aus?
Ein Kimono hat eine T-förmige Grundform, reicht meist bis zu den Knöcheln und besteht aus geraden Stoffbahnen. Typisch sind weite, lange Ärmel, ein durchgehender Kragen, die Wickelung links über rechts und der Obi um die Taille.
Wer trägt heute noch einen Kimono?
In Japan tragen Frauen und Männer den Kimono heute vor allem zu besonderen Anlässen wie dem Volljährigkeitstag, Hochzeiten, Teezeremonien oder Neujahr. Im Alltag tragen ihn vor allem Menschen, die beruflich damit verbunden sind, etwa in traditionellen Künsten, sowie Liebhaber.
Was kostet ein Kimono in Japan?
Ein Yukata aus Baumwolle ist bereits für einige tausend Yen erhältlich, ein neuer Seidenkimono kostet dagegen meist ab etwa 100.000 Yen, formelle Gewänder wie ein Furisode oft mehrere hunderttausend Yen. Gebraucht oder geliehen ist ein Kimono deutlich günstiger.
Ist ein Yukata auch ein Kimono?
Der Yukata gilt als leichte, informelle Form des Kimonos. Er ist ungefüttert, meist aus Baumwolle und wird ohne Nagajuban getragen, vor allem im Sommer und bei Festen.