Boho Kimono
Boho Kimono – Ratgeber & Wissenswertes
Ein Boho Kimono ist ein offen getragener Überwurf im Kimonoschnitt, der die Gestaltungsmerkmale des Bohème-Stils trägt: großflächige Blumen-, Paisley- oder Ethnomuster, Fransen an Saum und Ärmeln, Häkelspitze, Stickereien, Quasten und Erdtöne wie Rost, Senf, Ocker oder Bordeaux. Der Schnitt ist dem japanischen Kimono entlehnt, die Ausstattung stammt aus der Mode der 1960er- und 1970er-Jahre und ihrer Neuauflage als Boho Chic ab den 2000er-Jahren. Getragen wird das Teil über Jeans und Top, über Maxikleidern oder über Shorts, im Frühjahr, Sommer und Herbst, in der Stadt wie auf Festivals.
Dieser Text beschreibt, woher der Stil kommt und wie er sich in Jahrzehnten verändert hat, welche Muster, Verzierungen und Stoffe einen Kimono zum Bohème-Teil machen, wie sich Längen und Größen in Zentimetern bemessen, wie Fransen und Häkelware gepflegt werden, worin sich der Boho-Kimono vom Festivalkimono, vom Kaftan und vom japanischen Original unterscheidet und wie er sich mit anderer Kleidung kombinieren lässt. Häufige Fragen und ein Glossar der verwendeten Begriffe schließen den Text ab.
Was ist ein Boho Kimono?
Der Begriff Boho Kimono setzt sich aus der Kurzform von Bohème und dem Namen des japanischen Gewands zusammen. Gemeint ist nicht ein japanisches Kleidungsstück, sondern ein westlicher Überwurf mit T-Silhouette, weiten Ärmeln und offener Front, dessen Stoffe, Muster und Besätze dem Bohème-Stil folgen. Drei Merkmale sind fast immer vorhanden: ein auffälliges Muster oder eine Struktur wie Häkelspitze, mindestens ein handwerklich wirkendes Detail wie Fransen, Stickerei oder Quasten, und eine Farbpalette, die eher an Naturmaterialien als an Neon oder Pastell erinnert.
Das Kleidungsstück ist damit weniger durch seinen Schnitt definiert als durch seine Oberfläche. Ein schlichter schwarzer Kimono aus Viskose gehört nicht dazu; derselbe Schnitt mit Paisleydruck und 15 cm langen Fransen schon. Im Handel wird die Bezeichnung breit verwendet und umfasst sowohl handgearbeitete Einzelstücke aus Indien oder Marokko als auch industriell bedruckte Viskosekimonos mit angenähter Fransenborte. Die Spannweite reicht vom Häkelkimono in Creme über den Paisleyduster bis zur bestickten Samtjacke im Kimonoschnitt.
Boho Kimono: Herkunft des Stils
Das Wort Bohème bezeichnete im Paris des 19. Jahrhunderts Künstler, Schriftsteller und Studenten, die außerhalb bürgerlicher Konventionen lebten und sich bewusst unkonventionell kleideten: weite Hemden, Tücher, gebrauchte und gemischte Kleidungsstücke. Der Begriff geht auf die französische Bezeichnung für die Roma zurück, die man fälschlich aus Böhmen stammend glaubte; die Mode der Bohème übernahm Elemente, die man mit deren Kleidung verband, etwa Schals, Fransen und Schmuck in Schichten.
Zum Massenphänomen wurde der Stil in den 1960er- und 1970er-Jahren mit der Hippie-Bewegung. Reisen nach Indien, Marokko und Afghanistan brachten Kaftane, bestickte Westen, Blockdrucke und Paisleytücher nach Europa und in die USA. Der Kimono kam als Teil dieser Aneignung fremder Kleidungsformen in die westliche Freizeitmode: locker, ungegürtet, aus bedruckter Viskose oder Seide, oft mit Fransen versehen. Modehäuser wie Thea Porter in London oder Designer wie Ossie Clark griffen die Formen auf und verkauften sie an ein wohlhabendes Publikum.
Boho Chic Kimono: Die Neuauflage ab 2000
Anfang der 2000er-Jahre tauchte der Stil unter dem Namen Boho Chic wieder auf. Er verband die Elemente der 1970er mit aktueller Schneiderei: bestickte Tuniken, Wildlederwesten mit Fransen, Stufenröcke, große Sonnenbrillen, flache Stiefel. Der Boho Chic Kimono dieser Zeit war meist kurz, aus Chiffon oder Viskose, mit floralem Druck und schmalen Fransen, und wurde über Jeans getragen. Ab etwa 2010 sorgten Musikfestivals für eine dritte Welle, in der der Kimono zum festen Bestandteil der Sommerbekleidung wurde. Seither ist er eine eigenständige Kategorie, die unabhängig von Trendzyklen jedes Frühjahr wieder angeboten wird.
Boho Kimono Damen: Die typischen Merkmale
Ein Boho-Kimono für Damen unterscheidet sich von anderen Kimonoformen durch die Kombination mehrerer Gestaltungselemente, die einzeln auch anderswo vorkommen, zusammen aber den Stil ergeben.
- Muster: Paisley, Blumen in Erdtönen, Ikat, Batik, Mandalas, geometrische Ethnomuster, Patchwork-Optik.
- Besätze: Fransen aus Garn, Stoff oder Wildlederimitat, Quasten an Gürtelenden, Pompons an Säumen.
- Handarbeitsoptik: Häkelspitze als Einsatz oder Kante, Stickerei mit Blumen oder Ranken, Makramee-Elemente.
- Farben: Rost, Terrakotta, Senf, Ocker, Oliv, Bordeaux, Petrol, Creme, Braun; selten reines Weiß oder kräftiges Neon.
- Stoffe: Viskose, Baumwollvoile, Chiffon, Häkelbaumwolle, für den Herbst Samt oder bestickter Baumwollköper.
- Schnitt: weit, ungefüttert, oft mit verlängertem Rücken oder asymmetrischem Saum.
Muster beim Kimono Boho Style: Paisley, Ikat, Batik
Die Muster eines Kimono Boho Style haben fast alle eine Herkunft außerhalb Europas, die im Textilhandwerk nachvollziehbar ist.
Paisley auf dem Kimono Boho
Das tropfenförmige, an ein gebogenes Blatt erinnernde Paisleymotiv stammt aus Persien und Indien, wo es Boteh genannt wird. Über Kaschmirschals kam es im 18. und 19. Jahrhundert nach Europa; die schottische Stadt Paisley webte die Schals in großer Stückzahl nach und gab dem Muster seinen westlichen Namen. Auf Kimonos wird Paisley meist als Digital- oder Rotationsdruck auf Viskose aufgebracht, in dichten Bordüren am Saum oder als flächiges Allover.
Ikat und Batik auf dem Kimono Boho
Ikat ist eine Technik, bei der die Garne vor dem Weben abgebunden und gefärbt werden; die Konturen der Muster verlaufen dadurch leicht unscharf. Echte Ikatstoffe kommen aus Indonesien, Indien, Usbekistan und Lateinamerika; auf Kimonos findet sich fast immer ein bedruckter Ikat-Look. Batik ist eine Reservetechnik mit Wachs, die in Indonesien entwickelt wurde; Tie-Dye, das Abbinden und Färben von Stoff, ist die vereinfachte Variante, die in den 1960ern populär wurde. Beide Techniken erzeugen die unregelmäßigen Farbverläufe, die zum Stil gehören.
Blumen und Ranken auf dem Boho Style Kimono
Florale Muster im Boho-Kontext unterscheiden sich von romantischen Blümchendrucken durch Größe und Farbe: großflächige Blüten, oft stilisiert, in Rost, Senf und Bordeaux statt Rosa und Hellblau, häufig auf dunklem Grund. Eine Übersicht über Kimonos mit Blumenmustern aller Art bietet die Sammlung Blumen Kimono.
| Muster | Herkunft | Ursprüngliche Technik | Umsetzung auf Kimonos | Typische Farben |
|---|---|---|---|---|
| Paisley / Boteh | Persien, Kaschmir | Webmuster auf Schals | Druck auf Viskose oder Chiffon | Bordeaux, Senf, Petrol, Creme |
| Ikat | Indonesien, Usbekistan, Indien | Garnfärbung vor dem Weben | Druck im Ikat-Look | Indigo, Rost, Weiß |
| Batik / Tie-Dye | Indonesien; USA 1960er | Wachsreserve; Abbinden | echt gefärbt oder gedruckt | Indigo, Ocker, Braun |
| Mandala | Indien, Tibet | Malerei, Sandbild | Druck, oft als Rückenmotiv | Terrakotta, Oliv, Gold |
| Blockdruck | Rajasthan, Indien | Holzmodel und Pflanzenfarben | echter Handdruck auf Baumwolle | Indigo, Krapprot, Schwarz |
| Geometrische Ethnomuster | Anden, Nordafrika, Südwesten der USA | Webmuster auf Decken | Druck oder Jacquard | Rost, Schwarz, Creme, Türkis |
Fransen, Quasten und Häkelspitze am Boho Style Kimono
Die Besätze sind das, was einen Boho Style Kimono in Bewegung ausmacht. Fransen sitzen am unteren Saum, an den Ärmelkanten oder entlang einer Passe im Rücken und sind zwischen 5 und 30 cm lang. Sie bestehen aus gedrehtem Viskosegarn, aus geschnittenem Stoff, aus Wildlederimitat oder aus geknüpftem Makramee. Kurze Fransen von 5 bis 10 cm sind alltagstauglich; lange Fransen ab 20 cm verfangen sich in Taschen, Türgriffen und Fahrradketten und brauchen mehr Pflege. Die Befestigung unterscheidet sich: Fransenborten mit gewebtem Band werden auf die Kante gesteppt und halten viele Wäschen; geknüpfte Fransen aus dem Stoff selbst entstehen, indem Schussfäden am Saum herausgezogen und die Kettfäden zu Bündeln verknotet werden, was nur bei gewebter Baumwolle oder Leinen möglich ist. Eingeklebte Fransen lösen sich bei Wärme und Nässe und sind ein Merkmal sehr günstiger Ware.
Häkelspitze aus Baumwolle bildet entweder den ganzen Kimono oder Einsätze an Rücken, Schultern und Ärmeln. Sie ist blickdurchlässig, was bei einem vollständig gehäkelten Kimono ein Top oder ein Kleid darunter voraussetzt. Quasten hängen an den Enden des Bindegürtels oder an den vorderen Kanten; Pompons säumen gelegentlich Ärmel und Saum. Modelle mit Spitzeneinsätzen aller Art finden sich unter Kimono Spitze.
Materialien beim Kimono Boho
Die Stoffwahl folgt dem Fall und der Bedruckbarkeit. Viskose ist am häufigsten, weil sie Farben satt aufnimmt und weich fällt, wodurch Fransen und Muster in Bewegung kommen. Baumwollvoile ist matter, etwas steifer und knittert stärker, passt aber zum handwerklichen Charakter. Polyesterchiffon ist leicht und transparent, wirkt aber glänzender als der Stil verlangt. Häkelbaumwolle ist schwer und dehnt sich beim Tragen. Für Herbst und Winter werden Samt, bestickter Baumwollköper und Wollmischungen verwendet; die Sammlung Samt Kimono zeigt die Variante für die kühle Jahreszeit.
Echte Handarbeit, etwa Blockdruck aus Rajasthan oder handgehäkelte Spitze, erkennt man an kleinen Unregelmäßigkeiten im Muster und an der Rückseite, auf der die Farbe fast so kräftig ist wie vorne. Industriell bedruckte Viskose zeigt auf der Rückseite ein deutlich blasseres Bild. Das Flächengewicht liegt bei Viskose- und Baumwollmodellen zwischen 100 und 150 g/m², bei Häkelware zwischen 250 und 400 g/m², bei Samt um 250 g/m². Ein Häkelkimono ist damit etwa dreimal so schwer wie ein bedruckter Viskosekimono derselben Größe.
Farben: Kimono Boho Style in Erdtönen
Die Farbpalette orientiert sich an Pflanzenfarben und Naturmaterialien: Rost und Terrakotta aus Eisenoxid, Senf und Ocker aus Erdpigmenten, Indigo, Krapprot, Oliv, Bordeaux und Braun. Creme und Ecru ersetzen reines Weiß, Anthrazit ersetzt tiefes Schwarz. Diese Töne lassen sich untereinander fast beliebig kombinieren, weil sie denselben gedämpften Charakter haben. Übersichten nach Farbe stehen unter Kimono braun und Kimono beige.
Hellere und kräftigere Varianten gibt es ebenfalls: Türkis, Koralle und Fuchsia tauchen vor allem in Mustern mit mexikanischem oder indischem Bezug auf, meist auf cremefarbenem Grund. Der Stil bleibt erkennbar, solange die Farbe nicht glänzend oder metallisch ist. Bei der Kombination mehrerer Erdtöne hilft eine einfache Regel: ein dominanter Ton im Kimono, ein zweiter in Schuhen oder Tasche, der Rest neutral in Denim, Creme oder Schwarz. Schwarz als Grundfarbe des Kimonos mit Muster in Rost und Senf ist die Variante, die sich am leichtesten in eine bestehende Garderobe einfügt.
Schnitte und Längen beim Kimono Boho Style
Der Kimono Boho Style folgt in den Längen den gleichen Klassen wie andere Kimonoüberwürfe, setzt aber eigene Akzente.
Kurzer Boho-Kimono mit Fransen
Modelle mit 55 bis 70 cm Rückenlänge enden an der Hüfte; die Fransen verlängern die Silhouette optisch um weitere 10 bis 20 cm. Diese Form wird über Jeans mit hohem Bund, Shorts oder Miniröcken getragen und ist die häufigste Variante für die Stadt.
Langer Boho Style Kimono als Duster
Der Duster ist ein wadenlanger bis knöchellanger Boho Style Kimono mit 120 bis 145 cm Rückenlänge, oft aus fließender Viskose mit Bordürendruck am Saum. Er wird offen über engen Jeans oder Leggings und Stiefeletten getragen und ersetzt im Frühjahr und Herbst den Mantel. Seitliche Schlitze bis zur Hüfte gehören dazu. Weitere lange Schnitte stehen unter Kimono Damen lang.
Asymmetrische Säume beim Kimono Boho
Viele Modelle sind vorne kürzer als hinten geschnitten, mit einem Unterschied von 15 bis 30 cm. Der verlängerte Rücken betont die Fransen und lässt vorne Beinfreiheit. Ponchoartige Schnitte mit angeschnittenen Ärmeln und Kapuzen kommen ebenfalls vor, gehören aber eher zur Festivalvariante.
Größen beim Boho Kimono Damen in Zentimetern
Wie alle offenen Kimonos wird auch der Boho-Kimono für Damen in Sammelgrößen oder Einheitsgröße angeboten. Wegen der Fransen ist die Rückenlänge mit und ohne Besatz zu unterscheiden; die folgende Tabelle nennt die Länge des Stoffteils.
| Größe | DE-Konfektion | Rückenlänge kurz | Rückenlänge Duster | Spannweite Ärmel zu Ärmel | Fransenlänge üblich |
|---|---|---|---|---|---|
| S | 34–36 | 56–64 cm | 120–128 cm | 130–140 cm | 8–15 cm |
| M | 38–40 | 58–66 cm | 124–132 cm | 136–146 cm | 8–15 cm |
| L | 42–44 | 60–68 cm | 128–136 cm | 142–152 cm | 10–20 cm |
| XL | 46–48 | 62–70 cm | 132–140 cm | 148–158 cm | 10–20 cm |
| Einheitsgröße | 36–44 | 58–68 cm | 122–134 cm | 138–150 cm | 8–20 cm |
Bei Häkelkimonos ist zu beachten, dass sich Baumwollmaschen beim Tragen um mehrere Zentimeter längen; ein Modell, das neu bis zur Hüfte reicht, endet nach einigen Wochen am Oberschenkel. Fransen aus Viskosegarn hängen nach dem ersten Waschen ebenfalls etwas länger.
Kimono Boho kombinieren: Jeans, Maxikleid, Stiefel
Die Kombination folgt dem Prinzip der Schichtung, das den Stil seit den 1970ern prägt. Drei Grundformen haben sich etabliert.
- Über Jeans: Ein kurzer oder knielanger Kimono über einer ausgestellten oder geraden Jeans mit hohem Bund, dazu ein einfarbiges Top in Weiß, Schwarz oder Creme und Stiefeletten oder Sandalen. Die Jeans darf ausgewaschen oder mit Schlag sein.
- Über Maxikleid: Ein kurzer Kimono über einem langen, fließenden Kleid in einer Farbe, die im Kimonomuster vorkommt. Ein Hut mit breiter Krempe und flache Sandalen vervollständigen die Silhouette.
- Über Shorts: Ein langer Duster über Jeansshorts und Top; die Länge des Kimonos gleicht die Kürze der Hose aus.
Accessoires werden in Schichten getragen: mehrere dünne Ketten in unterschiedlichen Längen, Armreifen, ein geflochtener Gürtel oder ein Kimono Gürtel aus Stoff mit Quastenenden, eine Tasche aus Wildleder oder Bast. Bei einem stark gemusterten Kimono bleibt die übrige Kleidung einfarbig; bei einem Häkelkimono in Creme darf das Kleid darunter gemustert sein.
Kimono Boho für Herbst und Frühjahr
Der Stil ist nicht auf den Hochsommer beschränkt. Für die Übergangszeit gibt es Kimonos aus Samt in Bordeaux, Petrol oder Oliv, aus bestickter Baumwolle und aus Wollmischungen mit Fransen. Sie werden über Rollkragenpullovern und Jeans oder über langärmligen Kleidern mit Stiefeln getragen. Ein Samtkimono mit Fransen ist im Oktober und November ein Ersatz für die Strickjacke, ein bestickter Baumwollkimono passt in den April und Mai. Nur bei Temperaturen unter etwa 10 Grad reicht keiner dieser Stoffe mehr aus. Für den Übergang eignen sich auch Modelle aus Baumwollköper mit Kettelstickerei, wie sie in Indien und Mexiko hergestellt werden; sie sind blickdicht, wärmer als Viskose und knittern weniger als Leinen. Ein langer Duster aus schwerer Viskose lässt sich bis in den Oktober tragen, wenn darunter ein Rollkragen und darüber bei Bedarf ein weiter Schal liegt.
Boho-Kimono und Festivalkimono: Der Unterschied
Die beiden Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht identisch. Der Boho-Kimono ist über den Stil definiert: Muster, Fransen, Erdtöne, Handarbeitsoptik. Der Festivalkimono ist über den Einsatzort definiert: Er soll auf einem mehrtägigen Musikfestival funktionieren, also leicht, knitterunempfindlich, waschbar und robust genug für Staub, Regen und Campingplatz sein. Viele Festivalkimonos sind im Boho-Stil gehalten, viele Boho-Kimonos taugen aber nicht fürs Festival: Häkelbaumwolle wird bei Regen schwer, lange Fransen verheddern sich im Gedränge, Samt ist zu warm. Die Kriterien für Festivalkleidung stehen unter Festival Kimono.
Kimono Boho Style, Kaftan und japanischer Kimono im Vergleich
Drei Kleidungsstücke werden im Zusammenhang mit dem Bohème-Stil häufig verwechselt.
| Kleidungsstück | Herkunft | Front | Ärmel | Verschluss | Rolle im Boho-Stil |
|---|---|---|---|---|---|
| Boho-Kimono (westlich) | westliche Freizeitmode ab 1960er | offen | weit, oft mit Fransen | keiner oder Stoffgürtel | Überwurf über Jeans oder Kleid |
| Kaftan | Naher Osten, Nordafrika | geschlossen, V-Ausschnitt | weit, angeschnitten | keiner | Kleid oder Strandteil |
| Japanischer Kimono | Japan | gewickelt, links über rechts | rechteckig, tief | Obi | Vorbild des Schnitts, kein Alltagsteil |
| Haori | Japan | offen, mit Bändchen | rechteckig | Himo-Schnüre | engster Verwandter des kurzen Überwurfs |
| Poncho | Anden | geschlossen, Kopföffnung | keine | keiner | Alternative aus Wolle für den Herbst |
Pflege: Boho Style Kimono mit Fransen und Häkelspitze waschen
Die Besätze machen die Pflege eines Boho Style Kimono aufwendiger als die eines glatten Kimonos. Einige Regeln vermeiden Schäden.
- Fransen vor dem Waschen mit den Fingern entwirren und den Kimono in einen Wäschebeutel legen, damit sich die Fransen nicht um andere Wäschestücke oder die Trommel wickeln.
- Bei 30 Grad im Schonwaschgang oder per Hand waschen, nicht schleudern über 600 Umdrehungen; hohe Drehzahlen verknoten Fransen.
- Nach dem Waschen die Fransen nass glatt kämmen, mit einem grobzinkigen Kamm von oben nach unten, und den Kimono hängend trocknen, damit die Fransen gerade fallen.
- Häkelkimonos liegend trocknen, weil das Gewicht des nassen Garns die Maschen in die Länge zieht.
- Stickereien von links bügeln, mit einem Handtuch als Unterlage, damit das Relief erhalten bleibt.
- Wildlederimitat-Fransen nicht waschen, sondern nur ausbürsten; Nässe macht sie steif.
- Viskose mit Druck nicht in der Sonne trocknen; die dunklen Erdtöne bleichen sichtbar aus.
Boho Kimono Damen: Kaufkriterien
Die Auswahl lässt sich an prüfbaren Merkmalen festmachen.
- Fransenbefestigung: Angenähte Fransenborten halten länger als eingeklebte; an der Rückseite der Naht ist der Unterschied sichtbar.
- Fransenlänge: Unter 15 cm für den Alltag, darüber für Anlässe ohne Gedränge.
- Druckqualität: Muster auf der Rückseite deutlich sichtbar bedeutet Durchfärbung; blasse Rückseite bedeutet Oberflächendruck, der schneller ausbleicht.
- Häkelanteil: Je höher, desto schwerer und dehnbarer das Teil.
- Stoff: Viskose und Baumwolle für Sommer, Samt und Wollmischungen für Herbst; Polyester glänzt und passt weniger zum Stil.
- Rückenlänge: ohne Fransen messen und mit der Körpergröße abgleichen.
- Pflegeetikett: Maschinenwaschbar bei 30 Grad ist bei häufigem Tragen praktischer als reine Handwäsche.
Boho Chic Kimono selbst gestalten
Ein schlichter Kimono aus Viskose oder Baumwolle lässt sich mit wenig Aufwand in einen Boho Chic Kimono verwandeln. Fransenborten aus dem Kurzwarenhandel werden mit der Nähmaschine an Saum und Ärmelkanten gesteppt; für einen knielangen Kimono werden etwa 3 bis 4 Meter Borte benötigt. Häkelspitze als Meterware kann als Einsatz in den Rücken gesetzt werden, indem ein Rechteck aus dem Stoff geschnitten und die Spitze von innen dagegen genäht wird. Quasten entstehen aus Stickgarn, das um ein Stück Pappe gewickelt, abgebunden und aufgeschnitten wird. Wer ein Muster hinzufügen möchte, kann Baumwolle mit Batik oder Tie-Dye in Rost und Indigo färben; Viskose nimmt Färbemittel ebenfalls gut an, verliert aber nass an Festigkeit und sollte nicht gewrungen werden.
Boho Chic Kimono für Hochzeitsgäste, Sommerfeste und Urlaub
Ein Boho Chic Kimono aus fließender Viskose oder Seide mit feinen Fransen ist eine verbreitete Wahl für Hochzeiten im Freien, Gartenfeste und Sommerabende, bei denen ein Blazer zu formell und eine Strickjacke zu alltäglich wirkt. Über einem einfarbigen Maxikleid in einer Farbe des Kimonomusters, mit flachen Sandalen und wenigen Schmuckstücken, entspricht er dem, was Einladungen als sommerlich-elegant oder als Boho-Hochzeit umschreiben. Zu vermeiden sind Weiß und Creme als Grundfarbe, die der Braut vorbehalten bleiben, sowie sehr lange Fransen, die beim Sitzen an Stuhllehnen hängen bleiben. Im Urlaub übernimmt derselbe Kimono die Rolle des Abendteils über Kleid oder Leinenhose; über Bademode getragen wirkt er wegen der Fransen und des dichteren Stoffs schwerer als ein Strandkimono, funktioniert aber bei Sonnenuntergang an der Strandbar.
Kimono Boho aus zweiter Hand: Vintage, Handarbeit, Herkunft
Der Bohème-Stil hat sich von Beginn an aus gebrauchter und gemischter Kleidung gespeist, weshalb der Kimono Boho aus zweiter Hand zum Stil passt. Auf Flohmärkten und in Vintageläden finden sich drei Gruppen: westliche Kimonos aus den 1970er-Jahren aus bedruckter Viskose oder Polyester, oft mit Originalfransen; originale japanische Haori und Kimonos aus Seide, die in Japan gebraucht in großen Mengen exportiert werden und mit ihren Blumen-, Wellen- und Kranichmustern in den Stil passen; und handbedruckte Baumwollkimonos aus Indien, die meist als Hausmäntel gedacht waren. Beim Kauf gebrauchter Seide sind Achselpartie und Kragen auf gelbe Schweißränder und brüchige Stellen zu prüfen; bei Viskose der Zustand der Fransen. Neu produzierte Handarbeit, etwa Blockdruck aus Rajasthan oder Häkelware aus Kooperativen, ist an Zertifikaten für fairen Handel und an der Herkunftsangabe erkennbar.
Boho Style Kimono in großen Größen
Der offene Schnitt macht den Boho Style Kimono zu einem der wenigen gemusterten Kleidungsstücke, die in großen Größen ohne Anpassung funktionieren, weil er nirgends anliegt. Vorteilhaft sind knielange oder lange Modelle aus fließender Viskose mit vertikalem Bordürendruck an den Vorderkanten, der die Silhouette streckt; Fransen am Saum verlängern die Linie zusätzlich. Weniger günstig sind schwere Häkelkimonos, die durch ihr Gewicht an den Schultern ziehen, und Hi-Lo-Säume mit sehr kurzer Front, die die Hüfte betonen. Bei der Spannweite sollten mindestens 150 cm vorhanden sein, damit die Ärmel an den Oberarmen nicht spannen; bei der Brustweite flach 8 bis 10 cm mehr als der halbe Brustumfang.
Boho: Herkunft der Kurzform aus dem Englischen
Der Begriff Bohemian Kimono stammt aus dem englischen Sprachraum und bezeichnet dasselbe Kleidungsstück wie der deutsche Boho-Kimono. „Bohemian“ geht auf die Pariser Bohème des 19. Jahrhunderts zurück, eine Künstlerszene, die sich bewusst von bürgerlichen Kleidungsnormen absetzte. In Modemagazinen und Onlineshops wird die englische Schreibweise vor allem für Modelle mit Paisleydruck, Fransen und Häkelspitze verwendet. Typisch sind lockere Schnitte aus Viskose oder Baumwollvoile, Längen zwischen Hüfte und Wade sowie Erdtöne wie Rost, Ocker und Olive. Ein inhaltlicher Unterschied zum Boho Kimono besteht nicht; welche Bezeichnung verwendet wird, hängt vom jeweiligen Markt ab.
Hippie Kimono: Erbe der 1960er und 1970er Jahre
Ein Hippie Kimono greift die Kleidung der Gegenkultur der späten 1960er und 1970er Jahre auf, als Rückkehrer aus Indien, Marokko und Afghanistan weite Gewänder, Batik und handgewebte Stoffe nach Europa und in die USA brachten. Kennzeichen sind Batikmuster mit Kreisen und Spiralen, Blumenprints, grobe Baumwolle, Lederfransen und Stickereien in kräftigen Farben. Im Vergleich zum Boho-Kimono wirkt er weniger gedämpft und arbeitet häufiger mit Kontrasten wie Orange, Violett und Türkis. Getragen wurde und wird er offen über Jeans mit Schlag oder über kurzen Kleidern; historische Vorbilder finden sich auf Fotografien vom Woodstock-Festival 1969.
Boho Kimono Damen mit folkloristischen Mustern regionaler Herkunft
Ein Ethno Kimono trägt Muster, die aus einer bestimmten Textiltradition stammen oder ihr nachempfunden sind: Ikat aus Indonesien und Usbekistan, Kelim-Motive aus Anatolien, Blockdruck aus Rajasthan, Mudcloth-Muster aus Mali oder geometrische Webmuster aus Mexiko und Peru. Anders als beim Hippie- oder Bohemian-Kimono steht hier die geografische Herkunft des Musters im Vordergrund, nicht eine Modeepoche. Die Stoffe sind meist bedruckte Baumwolle oder Viskose; echte Webmuster wie Ikat sind schwerer und steifer und fallen weniger fließend. Bei der Beschreibung solcher Modelle wird üblicherweise die Herkunft des Musters genannt, damit die Bezeichnung nachvollziehbar bleibt.
Häufige Fragen zu Boho Kimono
Was macht einen Kimono zum Boho Kimono?
Nicht der Schnitt, sondern die Gestaltung: ein Muster mit Herkunft außerhalb Europas wie Paisley, Ikat oder Batik, ein handwerklich wirkender Besatz wie Fransen, Häkelspitze, Stickerei oder Quasten, und eine Farbpalette aus Erdtönen. Ein schwarzer Kimono aus glatter Viskose ist kein Boho-Teil; derselbe Kimono mit Bordürendruck und Fransen schon.
Wie kombiniert man einen Boho Kimono Damen im Alltag?
Am einfachsten über einer Jeans mit hohem Bund und einem einfarbigen Top in Weiß, Schwarz oder Creme, dazu Stiefeletten oder flache Sandalen. Der Kimono liefert Muster und Farbe, der Rest bleibt ruhig. Für den Abend wird ein langer Duster über einem schmalen Kleid getragen; für den Herbst ein Samtkimono über Rollkragen und Jeans.
Was ist der Unterschied zwischen Kimono Boho und Festivalkimono?
Der Boho-Kimono ist über seine Optik definiert, der Festivalkimono über seine Alltagstauglichkeit auf einem mehrtägigen Festival: leicht, waschbar, knitterarm, regenfest verpackbar. Viele Festivalkimonos sehen nach Boho aus, aber ein Häkelkimono mit 30 cm langen Fransen ist zwar Boho, für ein Festival aber unpraktisch.
Wie wäscht man einen Kimono Boho mit Fransen?
Fransen entwirren, den Kimono in einen Wäschebeutel legen, bei 30 Grad im Schonwaschgang mit niedriger Schleuderzahl waschen, danach die Fransen nass mit einem groben Kamm glätten und den Kimono hängend im Schatten trocknen. Häkelteile liegend trocknen. Fransen aus Wildlederimitat nur ausbürsten, nicht waschen.
Welche Farben passen zum Boho Style Kimono?
Erdtöne untereinander: Rost, Senf, Ocker, Oliv, Bordeaux, Braun, Creme und Indigo lassen sich fast beliebig mischen. Zur Kleidung darunter passen Weiß, Creme, Schwarz, Denimblau und eine Farbe, die im Muster des Kimonos vorkommt. Kräftige Pastelltöne und Neon brechen den Stil.
Ist ein Boho Chic Kimono etwas anderes als ein Boho-Kimono?
Boho Chic bezeichnet die Neuauflage des Stils ab den 2000er-Jahren, die die Elemente der 1970er mit sauberer Verarbeitung und schmaleren Silhouetten verband. Ein Boho Chic Kimono ist deshalb meist kürzer, aus Chiffon oder Viskose, mit feineren Fransen und weniger Häkelanteil als die Modelle im Hippie-Stil. Im Handel werden beide Begriffe heute weitgehend synonym verwendet.
Kann ein Kimono Boho Style im Herbst getragen werden?
Ja, in Samt, bestickter Baumwolle oder Wollmischung. Solche Modelle werden über Rollkragenpullovern, langärmligen Kleidern und Jeans mit Stiefeln getragen und funktionieren bis etwa 10 Grad Außentemperatur. Unter dieser Grenze ist eine Jacke oder ein Mantel über dem Kimono nötig, was mit Fransen umständlich wird.
Ist der Boho-Kimono ein japanisches Kleidungsstück?
Nein. Er übernimmt vom japanischen Kimono nur die Grundform mit geraden Bahnen, weiten Ärmeln und offener Front. Muster, Besätze und Trageweise stammen aus der westlichen Freizeitmode der 1960er- und 1970er-Jahre, die ihrerseits Elemente aus Indien, Marokko, Indonesien und Lateinamerika aufnahm. Mit dem traditionellen Kimono, seinem Obi und seinen Trageregeln hat er nichts gemein.
Glossar: Begriffe rund um den Boho-Kimono
- Bohème: Ursprünglich das unkonventionelle Künstlermilieu des 19. Jahrhunderts in Paris; Namensgeber des Stils.
- Boho Chic: Neuauflage des Bohème-Stils ab etwa 2003 mit schmaleren Schnitten und sauberer Verarbeitung.
- Paisley / Boteh: Tropfenförmiges Muster persisch-indischer Herkunft, benannt nach der schottischen Weberstadt Paisley.
- Ikat: Webtechnik, bei der die Garne vor dem Weben gefärbt werden; ergibt unscharfe Musterkanten.
- Batik: Reservefärbetechnik mit Wachs aus Indonesien; Tie-Dye ist die vereinfachte Abbindevariante.
- Blockdruck: Handdruck mit geschnitzten Holzmodeln, vor allem in Rajasthan.
- Häkelspitze: Durchbrochene Baumwollfläche, mit der Häkelnadel gearbeitet, als Einsatz oder ganzer Kimono.
- Makramee: Knüpftechnik für Fransen und Borten ohne Nadel.
- Fransen: Lose hängende Fäden oder Streifen an Saum und Ärmeln; aus Garn, Stoff oder Wildlederimitat.
- Quaste: Bündel aus Fäden, abgebunden und an Gürtelenden oder Kanten befestigt.
- Duster: Langer, leichter Überwurf bis zur Wade oder zum Knöchel, ursprünglich ein Staubmantel.
- Hi-Lo-Saum: Saum, der vorne kürzer als hinten geschnitten ist.
- Haori: Kurze japanische Jacke, offen über dem Kimono getragen; Vorbild des westlichen kurzen Überwurfs.
- Kaftan: Weites, vorne geschlossenes Gewand aus dem Nahen Osten und Nordafrika.
Boho Kimono: Das Wichtigste in Kürze
Ein Boho Kimono ist ein offener Überwurf im Kimonoschnitt, der durch Muster, Besätze und Farben dem Bohème-Stil zugeordnet wird: Paisley, Ikat, Batik oder große Blumen, Fransen, Häkelspitze, Stickerei und Quasten, Erdtöne von Rost bis Indigo. Der Stil entstand in der westlichen Freizeitmode der 1960er- und 1970er-Jahre, wurde ab 2000 als Boho Chic neu aufgelegt und ist seit den 2010er-Jahren fester Bestandteil der Sommer- und Übergangsmode. Kurze Modelle mit Fransen werden über Jeans getragen, lange Duster über Shorts oder engen Hosen, Samtvarianten im Herbst. Wer Fransen im Wäschebeutel wäscht, Häkelteile liegend trocknet und Drucke vor Sonne schützt, behält Muster und Besätze über Jahre.












































































































































